"Es wird in Wien zu wenig und zu teuer gebaut"

Nur wenige Wohnungen in Wien stehen leer. Laut dem Immobilienvermittler EHL werden jährlich rund 10.000 Wohnungen zu wenig gebaut.

Die Presse (Clemens Fabry)

Das überdurchschnittliche Bevölkerungswachstum lässt die Nachfrage nach Wohnraum im Großraum Wien weiter steigen, nur wenige Wohnungen stehen leer. Mieten und Kaufpreise zogen im ersten Halbjahr an, pendelten sich nach rasanten Anstiegen in den letzten Jahren aber auf einem nachhaltigen Niveau ein, so der Immobilienvermittler EHL am Dienstag zu Journalisten.

Teurer wurden Wohnungen vor allem in -Stadtentwicklungsgebieten wie rund um den Haupt- und Nordbahnhof, in Floridsdorf im Zusammenhang mit dem Ausbau der U1 oder der Donaustadt. Hier legten die Preise um etwa zwei Prozent zu. Stabile Preisänderungen knapp über der Inflationsrate gab es in mittleren und bereits entwickelten Lagen, Top-Objekte bleiben weiter auf hohem Niveau.

Aufgrund der hohen Nachfrage würden immer mehr Investoren auch Büroflächen in Wohnraum konvertieren, geplante Bürotürme werden teilweise als Wohntürme realisiert. "Damit kommt ein internationaler Trend nach Wien," bemerkte EHL-Immobilien-Chef Michael Ehlmaier. Es sei auch zu beobachten, dass immer mehr institutionelle Investoren auf den Wohnungsneubau setzen. Es gebe auch eine steigende Nachfrage von Eigennutzern.

Haushaltsgröße sinkt

Neue Objekte finden rasch Anklang, bei Fertigstellung sind sie laut EHL meist verkauft oder vermietet. Der Trend gehe zu effizienteren Wohnungen, die Haushaltsgröße sinke. Der Zuzug in den Großraum Wien hält an. Laut EHL würden daher jährlich über 20.000 neue Wohnungen benötigt, gebaut werden aktuell unter 10.000 pro Jahr. "Es wird zu wenig und zu teuer gebaut", betonte Sandra Bauernfeind, Leiterin des Bereichs Wohnimmobilien bei EHL.

Von der Wohnbauförderung solle man sich nicht täuschen lassen: "Diese Wohnungen sind eher für den Mittelstand geeignet und keine Sozialwohnungen", so Bauernfeind. Es fehle an leistbaren Alternativen. "Für Familien, einkommensschwächere Ein- und Zweipersonenhaushalte und einen großen Teil der zuziehenden Personen ist das aktuelle Preisniveau mittlerweile eine Herausforderung geworden, obwohl diese im internationalen Vergleich mit anderen Hauptstädten wie München, London oder Paris noch immer im unteren Bereich angesiedelt ist", kritisierte Bauernfeind.

Immobilienbranche fordert weniger Bauvorschriften

Die Immobilienvermittler fordern die Reduktion kostentreibender Bauvorschriften sowie den Abbau überzogener Qualitätsstandards im geförderten Wohnbau. Letztere seien im geförderten Wohnbau zum Teil deutlich höher als im freifinanzierten, wodurch kein günstiger Wohnraum geschaffen werden könne.

(APA)

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