Im Ausland sind die Zinsen höher

Für Erspartes bekommt man hierzulande kein Geld mehr. Ein deutsches Start-up versucht nun, Anlegern den Weg aus der Misere zu zeigen - und bietet Sparkonten bei ausländischen Geldinstituten an.

(c) APA/BARBARA GINDL

Wien. Der Österreicher beklagt sich gern. Über Spekulanten, über Immobilienbesitzer, über die Reichen generell. Dass der Österreicher auf seinem Konto aber kaum Zinsen bekommt, das lässt ihn erstaunlich kalt. Und das, obwohl die finanzielle Repression längst beinhart zugeschlagen hat. Die Politik der Zentralbanken führt vielerorts zu Reallohnverlusten. Zumindest ist das hierzulande so. Eine Alternative ist für den konservativen Anleger, der Aktien eher misstraut, hingegen nicht in Sicht.

Doch die Zinssituation ist nicht in allen Ländern Europas gleich. Heimische Sparer können sich das nun zunutze machen – und ihr Geld im Ausland anlegen. Geld dafür haben sie genug. Im Vorjahr hielten die Österreicher immerhin 91 Mrd. Euro in Form von Bargeld oder täglich fälligen Einlagen, wie eine Statistik der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) zeigt. Gebundene Anlagen gingen hingegen zurück.

 

Freier Kapitalverkehr

Zu den vier Grundfreiheiten der EU zählt der freie Kapital- und Zahlungsverkehr. Doch als das Internet noch kein Massenphänomen war, konnte man sein Geld nur schwer im Ausland anlegen. Es war zwar möglich, mit einem Koffer voll Geld über die Landesgrenzen zu reisen. Doch meist war der Nachgeschmack fahl, weil weniger das Sparen als die Steuerhinterziehung im Vordergrund stand. Den Sprachraum hat man in der Regel auch nicht verlassen.

Mittlerweile haben sich die Zeiten aber geändert. Das Internet macht vieles leichter – und nun auch das: Geld im EU-Ausland anzulegen. Das deutsche Start-up Savedo hat sich dieser Aufgabe verschrieben und will als Schnittstelle zwischen Österreichern und ausländischen Banken fungieren, die bereit sind, höhere Zinsen zu zahlen. Doch wie funktioniert das?

Im Grund recht simpel. Zuerst eröffnet der Verbraucher ein Konto bei der deutschen BIW Bank, der Partnerbank von Savedo. Dann kommt ein weiteres Konto bei der Endbank hinzu. Der Kunde überweist Geld auf das Konto der BIW, die als eine Art Zwischenhändler fungiert. Das Institut transferiert das Geld dann weiter, wie Jochen Siegert von Savedo erklärt.

Derzeit landet das Geld bei der tschechischen J&T Banka, weil Savedo noch keine weiteren Partnerbanken an Bord geholt hat. Die Laufzeit der Festgeldanlage liegt zwischen mindestens einem Jahr und maximal zehn Jahren. Künftig sollen auch kürzere Bindungsfristen möglich sein, etwa für die Dauer von sechs Monaten. Die Einstiegshürde der tschechischen Bank liegt bei 10.000 Euro, sagt Siegert. Geplant sei allerdings, den Mindestanlagebetrag künftig auf 5000 Euro herabzusetzen.

Die Zinsen der J&T Banka sind im Vergleich zu Österreich relativ hoch. Für eine Laufzeit von einem Jahr erhalten Sparer 1,8 Prozent Zinsen. Das beste vergleichbare Angebot liegt hierzulande bei 1,45Prozent. Wie hoch die Inflation in einem Jahr sein wird, ist freilich unklar. Zwar sind die Zinsen in Tschechien besser, dafür wird den Österreichern auf einem heimischen Sparkonto automatisch die Kapitalertragsteuer abgezogen, beim tschechischen Konto muss man sich selbst darum kümmern.

 

Mehr Zinsen, mehr Risiko?

Doch sind höhere Zinsen auch mit einem größeren Risiko verbunden? Grundsätzlich gibt es eine Einlagensicherung von 100.000 Euro. „Es gibt aber einen Grund, warum das Zinsgefüge woanders größer ist“, sagt Bernd Lausecker vom Verein für Konsumenteninformation. „Niemand zahlt mehr Zinsen, weil er wohltätig ist.“ Der Verbraucherschützer rät Konsumenten, bei solchen Formen der Geldanlage auf die Entwicklungen in dem jeweiligen Land zu achten. Nur weil ein Staat Teil der EU sei, müsse nicht alles im grünen Bereich sein.

Auch sei es schwer zu beurteilen, wie die tschechische Bankenaufsicht funktioniere. Unter dem Strich könnten Anleger im Rahmen der EU-Vertragsfreiheit ihr Geld aber dort anlegen, wo sie wollen. Ob sie bereit sind, das Risiko einzugehen, ist aber eine andere Frage.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.05.2015)

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