Günter Kerbler: "Ein Aston Martin ist mir zu anstrengend"

Der Zinshausinvestor und Conwert-Gründer Günter Kerbler spricht über die Faszination für Grund und Boden, geglückte Geschäfte und gescheiterte Projekte - und darüber, wie gesundheitliche Probleme den Blickwinkel verändern.

Günter Kerbler
Günter Kerbler
Günter Kerbler – (c) Jenis

Die Presse: Ihre Gruppe verfügt über zahlreiche Zinshäuser. Haben Sie sich als Kind schon für Immobilien interessiert?

Günter Kerbler: Ich habe als 13-Jähriger, als ein Fleischermeister mit meinem Vater einen Disput hatte, gesagt: Den kaufe ich auf. 25 Jahre später ist er in Konkurs gegangen. Heute bin ich glücklicher oder auch unglücklicher Besitzer dieser Immobilie in Horn, die ich jetzt zu entwickeln beginne.

Was hat Sie an Immobilien fasziniert?

Ich bin ein typischer Waldviertler Bauernbub: Der Acker muss mir gehören. Grund und Boden muss man besitzen.

Wann haben Sie Ihre erste Wohnung gekauft?

Die ersten Wohnungen habe ich Mitte der Siebzigerjahre gekauft, finanziert mit Bauspardarlehen. Da ist gerade der Ertrag reingekommen, um den Kredit zu bedienen. Da bin ich draufgekommen, dass es besser ist, Zinshäuser zu kaufen: Wenn ich ein ganzes Haus kaufe, wo alle den niedrigen Friedenskronenzins zahlen, und jemand zieht aus, dann zahlt ein neuer Mieter selbst im Substandard mehr.

Was kostete Ihr erstes Zinshaus?

Das erste Zinshaus war ein halbes Zinshaus in der Kreuzgasse, das hat 600.000 Schilling gekostet. Um 900.000 habe ich es verkauft. Da war ich auf einmal der King.

Wie haben Sie das finanziert?

Einen Kredit aufzunehmen, war damals wesentlich leichter. Und man hat mich schon gekannt, ich habe ja bei Versicherungen gearbeitet. Ich bin zur Sparkasse gegangen, die haben mir zwei-, dreihunderttausend Schilling finanziert. Die Hypo Horn und die CA haben mir auch etwas finanziert. So habe ich mich nach oben gehantelt.

Auf die Idee, dass man mit Zinshäusern Geld verdienen kann, werden viele gekommen sein...

Es waren auch viele, und viele sind gescheitert, aber ich habe es offenbar klug genug gemacht, um mir Ausflüge wie „Arbeiterzeitung“, „Falter“, New-Business- und Erb-Verlag leisten zu können.

Warum haben Sie diese Ausflüge ins Mediengeschäft gemacht, die ja nicht sehr erfolgreich waren?

Ich komme aus einer bürgerlichen Stadt, aus Horn. Da habe ich irgendwie geträumt von einer Symbiose zwischen Kapitalismus und Sozialismus und habe in die „AZ“ investiert. Aber ich habe sehr schnell erkannt, das geht in die Hose. Außerdem war sie mir dann doch zu links. Also habe ich mich bei New Business beteiligt. Als auch dort der Zug gestanden ist, musste ich die Haftungen zahlen. Beim „Falter“ bin ich dann auch noch eingestiegen, der hat sich gut entwickelt. Die Zeitungen haben mich aber nahe an die Verzweiflung gebracht. Da habe ich gesehen: Das Einzige, was ich kann, ist die Immobilie. Das habe ich einfach im Gespür.

Warum haben Sie die Conwert an die Börse gebracht und sich Miteigentümer geholt?

Ich habe mich für schöne gutbürgerliche Häuser interessiert, und die sind teuer und binden viel Kapital. Die Liquidität war also knapp: Immer, wenn ich etwas kaufen wollte, musste ich etwas verkaufen. Oft habe ich verkauft, ohne das Potenzial des Objekts auszunützen. Und ich war verliebt in diese Objekte in der Siebensterngasse oder der Albertgasse. Ordentliche Zinshäuser am Eck. Die Conwert war aber eine Neugründung. Mir war wichtig, dass da die schönsten Immobilien mit dem größten Potenzial gebündelt wurden. Das hat sich zunächst super entwickelt, und wir sind rasant gewachsen. Irgendwann hat mein Herz nicht mehr mitgespielt.

Dann haben Sie den Schlussstrich gezogen.

2004 hat es mich schon hergebeutelt, aber es hat keiner erkannt, inklusive mir. Im Spital haben sie mich nicht ernst genommen und mit Aspro heimgeschickt. 2006 hatte ich den nächsten Anfall. Wieder wurde bei einer Untersuchung nichts erkannt. Zwei Jahre später haben sie gesagt: Keine Chance mehr, das muss man operieren. Die Zeit danach war schwierig. Es heißt, 50 Prozent aller Herzpatienten fallen in eine Depression. Ich habe mir gedacht, ich bin eine Waldviertler Eiche, mir passiert das nicht. Es passierte eine Zeit lang auch nicht, 2009 aber doch. Aber da ging es im Immobiliengeschäft nach der Lehman-Pleite rund und ich durfte nicht klein beigeben und musste den Schein aufrecht erhalten. Erst mit meinem Conwert-Abgang, der auch nicht einfach war, kam etwas Ruhe.

Haben Sie jetzt noch Anteile?

Ich persönlich nicht mehr.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, in Rumänien Landwirtschaft zu betreiben?

In Pension gehen und Tauben füttern wollte ich nicht. Ein Jugendfreund hat in Rumänien zwei Kinder adoptiert, da kam ich auf die Idee. Die Kinder in den Kinderheimen werden auch irgendwann groß. Ich habe eine Kolchose gekauft mit 34 Traktoren, die habe ich durch zwei Steyr-Traktoren ersetzt. Dort hatten wir 28 Mitarbeiter aus dem Heim. Von denen ist noch einer da. In Wahrheit ist das Projekt in die Hose gegangen. Denn man müsste jedem dieser Heimkinder einen Psychologen zur Verfügung stellen. Also haben wir die Landwirtschaft selber bewirtschaftet, mit mäßigem Erfolg. Jetzt ist fast alles verpachtet.

Hat sich Ihr Leben mit den Gesundheitsproblemen verändert?

Ob ich gescheiter geworden bin? Meine Frau sagt nein. Ich war gerade auf einer Ayurveda-Kur in Sri Lanka, da muss man sich mit sich selbst beschäftigen. Ich lese auch gern historische Romane, da geht es oft um Generationen. Da frage ich mich, was nach mir wird. Meine Töchter interessiert das Immobiliengeschäft nicht. Man muss lernen, Prioritäten zu setzen. Meine Kraft reicht von acht bis vier, dann wird es zäh. Früher habe ich mich den ganzen Tag mit den Häusern beschäftigt und mich gefragt, warum irgendwo nie ein Licht brennt. Heute gehe ich mit den älteren Menschen in den Park. Mir geht es auch darum, ein bisschen was zu bewegen in der Welt.

Was wollen Sie bewegen?

Obwohl ich weiß, dass das, worin ich wirklich gut bin, die Immobilie ist, finanziere ich oft branchenunabhängige Ideen von Jungunternehmern. Jetzt erst sind wir in ein Möbelunternehmen eingestiegen.

Machen Sie das aus Altruismus, oder erhoffen Sie sich Gewinn?

Natürlich geht es darum, irgendwann Gewinn zu generieren. Ich muss leider sagen, meine Hand ist da mittelmäßig. Beim Griffnerhaus bin ich derartig hineingetappt (die Pleite kostete Kerbler 4,5 Mio. Euro). Was mir unangenehm war, ist, dass ich auch zwei Partner hineingenommen hatte. Ich war der Motor an der Geschichte. Ich hatte ja wirklich daran geglaubt.

Haben Sie sich da nicht gedacht, Schuster bleib bei deinen Leisten, also bei den Zinshäusern?

Gedacht schon, aber Alter schützt vor Torheit nicht. Jetzt bin ich in der Phase der geordneten Übergabe. Ich habe gute Leute, die den Laden ohne mich schupfen können.

Gönnen Sie sich auch irgendwelchen Luxus?

Ich fahre mit einem alten Audi. Ein Aston Martin mir zu anstrengend, dafür bin ich zu alt. Die Plagerei beim Aussteigen ist mir zu blöd. Ich habe ein nettes, schönes Haus. Und ich bin mindestens drei Monate im Jahr nicht da. Ich bin beteiligt an einer Hotelanlage in der Dominikanischen Republik, da schaue ich immer wieder gern vorbei, ich bin gerne in New York. Hin und wieder lasse ich mich auch zu einer kulturellen Reise überreden.

So richtig zur Ruhe setzen wollen Sie sich nicht?

Was sollte ich da tun? Bewegung? Computerspielen– das mache ich manchmal und denke mir, das ist ja die totale Verblödung. Was ich jedenfalls nicht will, ist, mit 80 eine Partei zu gründen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.12.2013)

Kommentar zu Artikel:

Günter Kerbler: "Ein Aston Martin ist mir zu anstrengend"

Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.

Meistgelesen