Glaubwürdige Wirkung

Beeindruckend positive Menschen machen von sich reden. Wen erfahre ich als überzeugend?

BIMAIL VON Dominik Markl SJ

Nelson Mandela verbrachte 27 Jahre seines Lebens als politischer Gefangener. Bei seinem Hauptprozess beendete er sein Statement so: „Ich habe gegen weiße Vorherrschaft gekämpft, und ich habe gegen schwarze Vorherrschaft gekämpft. Ich pflegte das Ideal einer demokratischen und freien Gesellschaft, in der alle Menschen harmonisch und mit gleichen Chancen leben. Dies ist ein Ideal, für das ich zu leben und das ich zu erreichen hoffe. Doch sollte dies notwendig sein, ist es ein Ideal, für das ich bereit bin zu sterben.“ Als Mandela am 11. Februar 1990 aus der Haft entlassen wurde, begann sich sein Lebensideal zu erfüllen. Nur drei Jahre später wurde er zum ersten schwarzen Präsidenten Südafrikas gewählt. Trotz seines hohen Alters arbeitete er für Versöhnung auf nationaler und internationaler Ebene. Der Friedensnobelpreis, höchste Auszeichnungen mehrerer Regierungen und über vierzig Ehrendoktorate zeugen von der weltweiten Anerkennung seines Lebenswerks. Besonders glaubwürdig werden Mandelas Worte, wenn ein ehemaliger Wärter Mandelas berichtet, er habe seinen Gefangenen über Jahre hinweg stets höflich und freundlich erlebt.

Nelson Mandela gehört zu jenen Menschen, die mit ihrem Leben wirklich überzeugen können. Die positive Wirkung dieses Menschen und seines Einsatzes sind so beeindruckend, dass sich sein Ruf unaufhaltsam verbreitete, selbst bei solchen, die ihn verachteten. Nelson Mandelas Lebenswerk lässt leichter verstehen, wie die Jesus-Bewegung des frühen Christentums entstehen konnte. Von Jesus ging ebenso eine Wirkung aus, die auf die Dauer niemand negieren konnte, die seinen Ruf unaufhaltsam wachsen ließ, die ihn jedoch auch vor dem Prozess nicht bewahrte. Eine solche nicht aufzuhaltende Dynamik beschreibt das Alte Testament als Wirkung Gottes: „Die Himmel rühmen die Herrlichkeit Gottes, vom Werk seiner Hände kündet das Firmament. Ein Tag sagt es dem andern, eine Nacht tut es der andern kund, ohne Worte und ohne Reden, unhörbar bleibt ihre Stimme. Doch ihre Botschaft geht in die ganze Welt hinaus, ihre Kunde bis zu den Enden der Erde.“ (Psalm 19). Die göttliche Herrlichkeit kann nicht verborgen bleiben. Sie kommuniziert sich gleichsam von selbst in einem erhabenen, stillen, kosmischen Konzert. Dieses Paradox zeigt sich auch bei Menschen, die von Gott erfüllt sind. Obwohl sie sich still und unaufdringlich verhalten, erzielen sie enorme Wirkung, wie Jesaja dies vom Gottesdiener beschreibt: „Er schreit nicht und lärmt nicht und lässt seine Stimme nicht auf der Straße erschallen. Das geknickte Rohr zerbricht er nicht, und den glimmenden Docht löscht er nicht aus“, und doch wird er zum „Licht der Nationen“ (Jesaja 42).

In krisenhaften Zeiten wird die Frage dringlich, was wirklich zählt und auf wen man sich verlassen kann. Nachhaltige Wirkung wird wieder zu einem hohen Wert, doch wer kann dafür einstehen? Wen erfahre ich als wirklich überzeugend?


Aber einige von ihnen gingen zu

den Pharisäern und berichteten

ihnen, was er getan hatte.

Joh 11,46


("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.09.2010)

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