Der einsame Mann von Eberau

Die Eberauer haben ihrem Bürgermeister die Gefolgschaft verweigert. Aber was auch passiert: Er selbst will seinem Ort treu bleiben.

Einsam und von seinen Mitstreitern verlassen saß Walter Strobl Sonntagnachmittag im Gemeindeamt von Eberau und rang mit sich selbst. Er hatte der Gemeinde eigentlich nur Gutes tun und den Bevölkerungsschwund stoppen wollen, als er, der Bürgermeister, sich im Namen der Gemeinde für das Asyl-Erstaufnahmezentrum beworben hatte. Doch mit diesem Tumult hatte er nicht gerechnet: „Es ist schon hart, wenn einem der Handschlag verweigert wird, wenn man bedroht wird oder sich die Leute auf der Straße wegdrehen“, sagt er.

Dabei kennt Strobl sein Geschäft: Seit 26 Jahren ist der Mann mit Handelsschulabschluss Gemeindebediensteter in Eberau, er war Gemeinderat, Vizebürgermeister und stieg 2001 zum Bürgermeister auf. Natürlich habe er „Bauchweh“ gehabt, als er seiner ÖVP-Parteifreundin Maria Fekter versprechen musste, dass er Stillschweigen bewahrt. „Wir dachten, es würde nur diesen Weg geben, ohne Einbindung der Bevölkerung, sonst wäre uns das Projekt gleich vom Land abgewürgt worden.“ Das war ein Irrglaube: Fast alle Eberauer sprachen sich am Sonntag gegen die Erstaufnahmestelle und damit auch irgendwie gegen den Bürgermeister aus.

Wie es nun weitergeht mit seiner Karriere, das müssten die Gremien in den nächsten Wochen entscheiden, sagt Strobl. Aber was auch immer geschehe, nie werde er von Eberau wegziehen. Er lebe gern hier mit seiner Lebensgefährtin, im Ortsteil Gaas: „Ich bin ein geselliger Mensch und in 17 Vereinen aktiv. Das lasse ich mir nicht nehmen.“ pri

ZUR PERSON

Name: Walter Strobl

Geboren: 1965

Amt: Seit 2001 Bürgermeister von Eberau im Südburgenland (ÖVP) [APA]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.02.2010)

Kommentar zu Artikel:

Der einsame Mann von Eberau

Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.

Meistgelesen