Verbieten wir doch das Leben

Es gibt Schlimmeres als Heizpilze. Und der Ruf nach Verbot ist nicht angebracht.

Da ist er plötzlich wieder, der Ruf nach einem sofortigen Verbot. Diesmal soll es den Heizpilzen an den Kragen gehen, die vor ein paar Jahren aus dem Boden geschossen sind. Eine Initiative sammelt im Internet bereits Unterschriften, um ein österreichweites Verbot zu initiieren. Nun muss man den Aktivisten insofern recht geben, als diese Geräte tatsächlich vor allem heiße Luft produzieren, die sich dann gleich wieder in Luft auflöst – im Extremfall verbraucht ein Heizpilz ähnlich viel Energie wie das Heizen einer 100 Quadratmeter großen Wohnung.

Doch der typisch österreichische Wunsch, gleich alles verbieten zu lassen, ist trotzdem eine Überreaktion. Denn die Heizpilze bringen an ein paar Herbstnachmittagen und -abenden so etwas wie mediterrane Lebensqualität in die Stadt – zumindest für ein paar Minuten. Und diese paar Minuten, für die die Gastronomen ohnehin das Gas bezahlen müssen, bringen das Klima nicht um.

Da wäre es lohnender, bei Dingen anzusetzen, die nicht nur für ein paar Minuten Energie in Lebensqualität umwandeln. Man könnte den Autoverkehr reduzieren, zum Beispiel, und zwar durch das Schaffen vernünftiger Alternativen. Und nicht durch Verbote. Also lassen wir die Kirche im Dorf und die Heizpilze ruhig vor den Lokalen stehen.

 

erich.kocina@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.11.2012)

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