Jetzt schämt euch aber, ihr Grünen!

Die Kampagne gegen den ehemaligen Direktor der Kunsthalle Wien, Gerald Matt, war ein empörender Skandal.

Es war nicht leicht, eine neutrale Rolle einzunehmen in der Hetzjagd, die Gerald Matt heuer zum Rücktritt als Direktor der Kunsthalle Wien getrieben hat. Und die jetzt als das enttarnt ist, was sie von Beginn an war: Rufmord! Angeblich jahrelang entmündigte und entrechtete Mitarbeiter stürzten sich unter Anführung des profilierungssüchtigen grünen Moralapostels Wolfgang Zinggl auf einen, der anders war.

Vor allem äußerlich. Der nicht die ausgeleierten Pullis trug, keine Schlapfen, kein muffiges Gesicht zeigte, wie man das in der linken Kunstszene gern sieht. Er bevorzugte Hut, Vintageanzug und arrogante Miene. Er liebte die Inszenierung als Dandy. Aber er war nie einer. Denn ein Dandy arbeitet nicht. Gerald Matt hat immer gearbeitet und das auch von seinen Mitarbeitern verlangt, ein autoritärer Ausbeuter und Selbstausbeuter eben, wie Museumsdirektoren es sind. Naturgemäß. Wie der ganze Kunstbetrieb es ist. Immer. Überall. Tag und Nacht. Niemand muss da mit. Jeder darf jederzeit auch Sozialarbeiter oder Taxifahrer werden.

Das ist ein unbarmherziges Pflaster. Aber es war immer noch menschlich. Was diesem exponierten Direktor aber geschah – und geschieht –, ist es nicht mehr. Es war und ist Vernaderung, die ein Leben, das vom Beruf nicht zu trennen war, zerstört hat: Gerald Matt muss auf die Ruinen einer Karriere blicken. Da hilft auch seine in den vergangenen Tagen veröffentlichte Rehabilitierung durch die Korruptionsstaatsanwaltschaft nicht. Keine einzige der oft auch anonym, dafür aber öffentlich flächendeckend verbreiteten Anschuldigungen konnte erhärtet werden. Es können keine rechtlich relevanten Vorwürfe erhoben werden, auch nicht vom Kontrollamt, steht da schwarz auf weiß. Punkt. Schämen sollten sich jetzt alle, die diese Kampagne geritten haben. Schämen sollte sich die oppositionelle Kulturpolitik. Schämen sollte sich der zuständige Kulturpolitiker der Stadt, der es nicht geschafft hat, das Unrecht zu verhindern. Sie tun es alle nicht. Aus einem entsetzlichen Grund: weil sie es gar nicht mehr vermögen.

 

E-Mails an: almuth.spiegler@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.12.2012)

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