Kommentar

Merkel, May und die Machos

Angela Merkel fühlte sich bemüßigt, Donald Trump beim Nato-Gipfel in Brüssel Nachhilfeunterricht in Geschichte zu erteilen und seiner Ignoranz mit Ironie zu begegnen.

Sie selbst sei in der DDR ja unter Kontrolle der Sowjetunion aufgewachsen. Soll heißen: Sie weiß, wovon sie spricht. George W. Bush hat das noch beeindruckt. Doch die Zeiten in Washington sind radikal andere. Seine deutschen Wurzeln halten den US-Präsidenten nicht davon ab, die Kanzlerin und Deutschland zu neuen Feindbildern zu deklarieren.

So hat Merkel die Attacke Trumps pariert, die von eindimensionaler Weltsicht zeugt. Er hat sich entrüstet, dass Deutschland unter Kontrolle Russlands stehe – quasi als „Gefangener“ Wladimir Putins. Trump hat wohl etwas missverstanden. Er selbst macht Politik nach der Devise „Take no prisoners“ – ohne Rücksicht auf Verluste. Seine Lesart geht so: Die USA schützen Deutschland, und es revanchiert sich damit, dass es bis zu 70 Prozent der Energie aus russischen Ressourcen bezieht. Wie so oft hantiert Trump mit falschen Fakten: Die Vehemenz der Vorwürfe ist durch die Realität nicht gedeckt. Der US-Präsident hat sich in seinem Paralleluniversum eingerichtet.

Von einer Frau lässt er sich schon gar nicht belehren. Ihn nervt auch die oberlehrerhafte Attitüde der britischen Premierministerin, Theresa May. Bezeichnenderweise hält er es lieber mit Machopolitikern à la Boris Johnson und Putin.

E-Mails an: thomas.vieregge@diepresse.com

 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.07.2018)

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