Was ist an Ungarns Fidesz noch christlich?

Die EVP kann eine Partei, die solche Hetze betreibt, nicht dulden.

Oft wurde das Wort Werte in den Mund genommen – insbesondere, als es um die Abgrenzung von Migranten aus anderen Kulturen ging. Doch Werte sind nicht teilbar. Wer mit ihnen argumentiert, kann nicht den einen Teil nutzen, den anderen beiseitelassen. Das irritierte schon bei der Argumentation der ungarischen Regierungspartei Fidesz, die sich mit Hinweis auf ihre christlichen Wurzeln gegen Hilfsbereitschaft für Muslime aussprach.

Nun hetzt sie mit einer öffentlichen Plakataktion gegen George Soros und Jean-Claude Juncker. Sie macht sie für die Massenzuwanderung verantwortlich, wohl wissend, dass diese viel komplexere Ursachen hatte als das soziale Engagement eines einzelnen Geschäftsmanns und den Pragmatismus eines langjährigen Politikers. Dem Fidesz geht es nicht um Aufklärung, er bedient Vorurteile gegen Juden und die EU, außerdem verstärkt er krude Verschwörungstheorien.

Eine solche Haltung steht im Kontrast zu jenen Werten, die von der gemeinsamen Parteienfamilie, der Europäischen Volkspartei, verankert wurden. Da auch deren Werte nicht beliebig interpretierbar sind, wird es die Glaubwürdigkeit der EVP in absehbarer Zeit schädigen, sollte sie sich vom Fidesz nicht trennen.

wolfgang.boehm@diepresse.com

 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.02.2019)

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