Die nicht ganz billige Eisenbahnerlogik

Angesichts der Kosten, die die Bahn verursacht, ist die Frage berechtigt, ob Billigtickets für tausende Mitarbeiter zu rechtfertigen sind.

Das war ja eigentlich immer schon so.“ Diese Antwort erhält man, wenn man bei den ÖBB fragt, warum Eisenbahner, Bahn-Pensionisten und deren Angehörige – in Summe 160.000 Personen – für rund 35 Euro pro Jahr eine Netzkarte im Wert von 1700 Euro erhalten. Künftig müssen die Eisenbahner die Billigtickets zwar versteuern, im Vergleich mit der voll zahlenden Kundschaft der Bahn fahren ÖBB-Mitarbeiter aber immer noch sehr günstig auf Schienen durchs Land.

Früher waren solche Mitarbeiterangebote bei vielen Unternehmen durchaus üblich. Bei Energieversorgern gab es günstigere Stromtarife, in Banken niedrigere Zinsen und bei Brauereien billigeres Bier. Inzwischen wurden solche Rabatte meist abgeschafft. Und dort, wo es sie noch gibt, ist es in den meisten Fällen auch das Geld privater Unternehmen, das die Sache finanziert.

Die ÖBB kosten die Steuerzahler hingegen jedes Jahr Milliarden. Daher werden sich abseits aller Neiddebatten viele Financiers fragen, warum sie auch die Privatfahrten der Eisenbahner subventionieren müssen. Auch wenn eine Abschaffung der Billigtickets aus dem Zuschussbetrieb ÖBB noch lange kein erfolgreiches Unternehmen machte, wäre sie ein Symbol für mehr Kostenbewusstsein. Denn eines stimmt nicht: das oft bemühte Argument, ein ÖBB-Mitarbeiter als zusätzlicher Passagier würde keine Kosten verursachen, da der Zug „ohnehin fährt“. Dieses Argument könnte schließlich jeder Fahrgast vorbringen. (Bericht: Seite 14)


jakob.zirm@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.04.2010)

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