Generation Teschek

Jugend, das stand einmal für Aufbegehren. Die 20- bis 40-Jährigen von heute nehmen kommentarlos hin, dass ihnen der Staat mit Schulden und einem unfinanzierbaren Pensionssystem die Zukunft verbaut.

Nur zur Erklärung für Nicht-Wiener: Ein Teschek ist einer, der ausgenützt wird. Einer, der die Schulden zurückzahlen darf, die andere aufgetürmt haben. Einer, der teils üppige (Früh-)Pensionen finanziert, selbst aber dereinst nur noch einen Bruchteil davon beziehen wird. Ein Teschek nimmt Ungerechtigkeiten im Generationenvertrag ohne Murren hin. Er kuscht.

Es ist erstaunlich, wie wenig Widerstandskraft die heute 20- bis 40-Jährigen europaweit entwickeln. Jugend, das stand einmal für Idealismus und Aufsässigkeit. Von Aufbegehren ist heute nichts mehr zu bemerken. Junge bleiben vom Arbeitsmarkt ausgeschlossen, Kollektivverträge nützen vor allem Alteingesessenen. Doch die Generation Teschek hat resigniert, bevor sie überhaupt an Kampf dachte. Sie kennt kein Wir, nur das Ich. Sie organisiert sich kaum. Politisches Engagement heißt für sie, sich über Rechtsextreme zu empören. Soziale Fragen interessieren sie schon weniger. Und so ist es folgerichtig, wenn ihre politischen Vertreter zumeist angepasste Streber ohne Widerspruchsgeist sind. Typische Jungpolitiker sind schon zu Beginn ihrer Laufbahn weichgespült. Ihr Karriereziel ist es, nicht anzuecken.

Es war wieder einmal mucksmäuschenstill in der Riege der U30-Funktionäre, als das Wirtschaftsforschungsinstitut diese Woche darauf hinwies, dass der Staat kommendes Jahr satte 22,8 Prozent seines Budgets für Pensionen ausgeben wird. Darin sind nicht nur die Kosten für die zum Teil recht großzügig bedachten Beamten, Postler, Lehrer und Eisenbahner im Ruhestand enthalten. Immer höher werden auch die Zuschüsse für Früh- und Hacklerpensionen.

Österreich hat ein Rentnerparadies geschaffen. Das gesetzliche Pensionsalter wird vielleicht in der Schweiz eingehalten, hierzulande existiert es nur auf dem Papier. Männer gehen im Schnitt nicht mit 65, sondern mit 58,9 Jahren in Pension, Frauen nicht mit 60, sondern mit 57,9 Jahren. Jüngere Pensionisten gibt es auf der ganzen Welt nur noch in Frankreich. Wer Bestimmungen wie die (übrigens keineswegs nur für Schwerarbeiter geltende) Hacklerregelung nützt und schon vor 60 den Bleistift fallen lässt, dem ist kein Vorwurf zu machen. Er handelt rational. Den Zorn der still zahlenden Mehrheit verdienen jedoch die Gesetzgeber, die den kostspieligen Unsinn beschlossen und den Spielraum der letzten Pensionsreform wieder verspielt haben.

Doch die Jugend schweigt. Sie muckt auch nicht auf, wenn die Lobby der Alten mitten in der größten Wirtschaftskrise seit 1945 auf eine zweiprozentige Pensionserhöhung pocht. Der alte Schmäh, dass man der Aufbaugeneration doch die paar Euro mehr gönnen solle, geht auch bei Frührentnern des Jahrgangs 1955 durch.

Die Generation Teschek sieht tatenlos zu, wie sie demografisch überrollt und von Gerontokraten zur Kasse gebeten wird. Sie bleibt artig. Wen wundert das schon, wo sich doch Teschek vom ungarischen „tessék“ ableitet und eigentlich „bitte“ heißt?

christian.ultsch@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.08.2009)

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