Hoffnung für Russlands Fußball

Es war ein problemloser WM-Einstand und die Fans sind begeistert. Darf man das heute noch schreiben? Ja, natürlich. Aber.

Der WM-Auftakt ist vorüber – endlich! Robbie Williams hat seine vier Songs gesungen (mehr zum unrühmlichen Teil seines Auftritts hier), Wladimir Putin hielt eine Friedensrede auf den Fußball, Elfen und Zauberer tanzten auf dem Spielfeld. 80.000 Fans kamen unbeschadet ins Luschniki-Stadion hinein und wieder hinaus. Die jungen Volonteure lächeln vermutlich sogar im Schlaf hilfsbereit.

Wir dürfen also durchatmen und das Spielerische kann losgehen. Für die ausgelassene Stimmung am ersten Abend hatte das 5:0 von Russland gegen Saudiarabien natürlich einen großen Anteil. Die Hoffnung der russischen Fans auf einen Gruppenaufstieg der Sbornaja wurde genährt. Zumindest gestern abend strahlten die Russen Optimismus, Leichtigkeit und Lebensfreude aus – davon sähe man gern mehr im Alltag. Und selbst wenn die Glückssträhne nicht anhält, war das gestrige Ergebnis ein Achtungserfolg.

Darf man naiv schreiben über das Spielerische in den Zeiten der großen politischen Differenzen zwischen Ost und West? Ja. Aber. Wer meint, dass der Fußball die Kontroversen der Gegenwart einfach so hinwegspült, wäre naiv. Die WM dauert einen Monat, die Politik länger als Putins Leben. Gerade entschied die russische Regierung, die Mehrwertsteuer um zwei Prozent und das Pensionsantrittsalter um bis zu acht Jahre zu erhöhen. In der Jubelstimmung soll das leichter verdaubar sein.

In der nächsten Zeit wollen wir bei der WM die Russen vor allem in der Hinsicht beurteilen, als die sie uns gegenüber stehen: als sportliche Gastgeber. Das haben sie sich verdient, nicht erst durch das 5:0.

Die Presse - Testabo

Testen Sie jetzt „Die Presse“ und „Die Presse am Sonntag“ sowie das „Presse“-ePaper und sämtliche digitale premium‑Inhalte 3 Wochen kostenlos und unverbindlich.

Jetzt 3 Wochen testen
Meistgekauft
    Meistgelesen
      Kommentar zu Artikel:

      Hoffnung für Russlands Fußball

      Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
      Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.