Wenn der Amazon-Bote zweimal anruft

Der Online-Händler Amazon lässt die Pakete in Wien neuerdings von eigenen Zustellern austragen. Das bringt den Kunden bisher nicht unbedingt Vorteile - dafür aber interessante Anrufe.

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"Hallo. Ist da Jakob? Ich habe ein Paket und stehe vor der Tür. Es ist aber niemand da." Mit diesen Worten meldet sich der freundliche Paket-Zusteller vor einigen Tagen unerwartet am Telefon. Auf den Einwand, dass um elf am Vormittag die meisten Menschen halt in der Arbeit sind, meint er nur forsch: "Wie lange arbeiten Sie? Wann kommen Sie nach Hause?" Als auch diese Frage nur mit einem "Das ist schwer zu sagen, könnte heute länger dauern." beantwortet werden kann, wird das Gespräch nach einem kurzen unverständlichen Gebrummel beendet. Das Paket findet sich am Abend dann übrigens auf der Fußmatte vor der Tür. Offen im Stiegenhaus.

Wenige Tage später dann erneut ein Anruf einer unbekannten Nummer. Wieder zirka um elf Uhr vormittags. Andere Stimme, gleiche Frage. "Hallo. Wo sind Sie? Ich stehe mit Paket vor der Tür." Leider handelte es sich auch diesmal um einen von rund 230 Arbeitstagen im Jahr. Also auch diesmal um elf Uhr niemand zu Hause. Auf die Frage, ob es nicht irgendwelche Paket-Abgabe-Stationen in einem Café oder Handyshop in der Nähe gibt, antwortet der Zusteller nur: "Die sollen erst nächstes Jahr kommen. Aber wann kommen Sie heute nach Hause?" Schlussendlich einigte man sich darauf, dass das Paket auch gerne bei einem Nachbarn abgegeben werden kann - manche sind glücklicherweise auch um elf Uhr vormittags noch daheim. Diesmal also kein offenes Herumliegen im Stiegenhaus.

Es ist verständlich, dass Amazon aufgrund des hohen Paketaufkommens in Großstädten die Zustellung inzwischen selbst organisiert. Dass der Konzern und seine Sub-Unternehmen es aber nicht schaffen, entweder wie die Post wirklich in der Früh zu kommen oder zumindest wie die anderen Zustellfirmen Verträge mit Abgabe-Stationen zu schließen, ist aus Sicht der Kunden bereits sehr ärgerlich. Dass dieses Problem dann auch noch auf die Paket-Fahrer abgewälzt wird und diese die Kunden mit eigentlich vertraulichen Kundendaten (Datenschutzgrundverordnung? War da nicht was?) anrufen, ist einfach nur noch ein Witz.

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