Das Mondfieber ist längst erkaltet

Der Optimismus, der vor 50 Jahren die bemannte Mondfahrt begleitet hat, könnte uns heute für unsere irdischen Probleme nützen.

Mond am Nachhimmel
Mond am Nachhimmel
Mond am Nachhimmel – imago images / Christian Spicker

Jetzt ist es auch schon wieder ein halbes Jahrhundert her, dass die Rakete gestartet ist, die die ersten Menschen auf die Oberfläche des Mondes bringen sollte: Apollo 11, der Adler ist gelandet, ein großer Schritt für die Menschheit, die US-Flagge, der Fußabdruck (leider nicht barfuß), genug Stoff für Mythen. Für Betrachtungen und Erinnerungen. Die „Presse“ hat ein gewaltiges Paket davon soeben online gestellt. Darin ist natürlich auch von Zukünftigem zu lesen, von Chinas Plänen etwa, von privaten Mondfahrt-Initiativen.

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Das Interesse ist geblieben. Doch das Mondfieber, das im Juli 1969 die Erde geschüttelt hat, ist längst erkaltet. Natürlich, der Mond ist uns nahe: Er regiert die Gezeiten, erhellt unsere Nächte, prägt unsere Laune (die sich von Luna ableitet). Aber die bemannte Mondfahrt ist Geschichte, der letzte Mensch hat den Mond im Dezember 1972 betreten, und es würde sich wie ein seltsames Dacapo anfühlen, wenn mehr als 47 Jahre später wieder einer seine Füße in den lunaren Sand drücken würde.

Vor 50 Jahren lag die Zukunft im Weltall: Der amerikanische Pioniergeist hatte sich, nachdem die Mission „Go west, young man!“ an ihre (pazifischen) Grenzen gestoßen war, zu den Sternen gewandt; und der neue sowjetische Mensch konnte da nicht zurückbleiben. Er ist längst Auslaufmodell, dieses Rennen ist längst vorbei. Und die Science-fiction von heute handelt nicht mehr vom Aufbruch ins All, sondern vom Zusammenbruch auf Erden; aus den Utopien sind Dystopien geworden.

Wird es je ein Zurück ins All geben? Darüber können wir wetten, einiges spricht dagegen. Doch es spricht nichts dagegen, mit der Aufbruchsstimmung, die vor 50 Jahren den Mondflug begleitet hat, die irdischen Probleme anzugehen. Dass wir es mit steinzeitlicher Computertechnik geschafft haben, Menschen zum Mond – und wieder zurück! – zu schicken, aber es mit immens verbesserten Werkzeugen und vermehrtem Wissen nicht schaffen, das Klima des Planeten zu bewahren, das wäre doch lachhaft. Was sollte Luna davon halten?

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