Ein Schlag gegen die Macho-Politik

Emmanuel Macron weist Brasiliens Präsident Bolsonaro in die Schranken, der Politik im Desparado-Stil betreibt. Im Amazonas entblößt er seine Unfähigkeit. Kritik begegnet er mit Sexismus gegen Brigitte Macron.

Brasiliens Präsident Bolsonaro
Brasiliens Präsident Bolsonaro
Brasiliens Präsident Bolsonaro – (c) Reuters

Hätte Jair Bolsonaro am G7-Gipfel in Biarritz teilgenommen, hätte er möglicherweise Handgreiflichkeiten mit dem Gastgeber riskiert. Brasiliens Präsident hatte mit hämischer Süffisanz das Facebook-Posting eines Fans verbreitet, im dem er unvorteilhaftes Foto der 66-jährigen Brigitte Macron eines der 37-jährigen Frau Bolsonaros gegenüberstellte. „Demütige den Mann nicht, hahaha“, schrieb Bolsonaro darunter.

Das ist primitive Macho-Politik und richtet sich von selbst. Sollte man meinen. Emmanuel Macron, ein großer Romantiker und Moralist vor dem Herrn, hat recht getan, das Verhalten in aller Öffentlichkeit vehement zu verurteilen - und das nicht nur zur Verteidigung seiner Frau, sondern auch aus Gründen politischer Hygiene. Als Politiker, als Präsident muss man sich nicht jeden derben Untergriff gefallen lassen.

Mag Macrons Thematisierung des Infernos am Amazonas beim G7-Gipfel auch einem umweltpolitischen Aktionismus entspringen, der zunächst nur wenig ausrichtet. Doch er schafft Bewusstsein, und er entblößt die stupende Unfähigkeit der Regierung Bolsonaro. Ihre Umfragewerte sind im Sturzflug, und sie weiß sich nicht weiter zu helfen als mit Grobheiten gegen missliebige Kritiker, die sie zu Kolonialisten und Staatsfeinden aufbauscht. Wenn die Feuersbrunst am Amazonas ein Gutes hat, dann wohl dies: den Sturz Bolsonaros nach kaum achtmonatiger Amtszeit zu beschleunigen.

Brasilien braucht nicht Desperados à la Bolsonaro, sondern verantwortungsvolle, ethische Politiker vom Schlag eines Macron.

 

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