Der Mann hinter Dichand

Ein Großer in der seltsamen Welt des Journalismus wird 85. Er hat sich vor Jahren aus dem Tagesgeschehen zurückgezogen, aber „zu seiner Zeit“ war er ein rastloser Blattmacher, der die „Kronen Zeitung“ erst zu dem gemacht hat, was sie heute ist.

Ein Großer in der seltsamen Welt des Journalismus wird 85. Er hat sich vor Jahren aus dem Tagesgeschehen zurückgezogen, aber „zu seiner Zeit“ war er ein rastloser Blattmacher, der die „Kronen Zeitung“ erst zu dem gemacht hat, was sie heute ist. Die Rede ist von Friedrich Dragon, Spiritus Rector hinter dem rasanten Aufstieg des einstigen „Hausmeisterblattls“. Im April 1959 wagte der Chefredakteur des „Kurier“, Hans Dichand, mit einigen Getreuen den Sprung in ein ungewisses Abenteuer: Die „Krone“, die im Krieg eingestellt worden war, sollte neu erstehen. Doch zuerst musste er im Besitz der Titelrechte sein. Dichand und „Bibi“ Dragon fuhren also ins Ybbstal zum Schwiegersohn des einstigen Gründers, zu einem Hofrat Geyer. Der war misstrauisch, nannte schließlich eine Summe: „Der Titel kostet 600.000 Schilling.“ So viel hatten die beiden Bittsteller natürlich nicht, aber Dichand legte 90.000 Schilling auf den Tisch: Seine Abfertigung vom „Kurier“. Der Davis-Erbe gab sein kostbares Faustpfand schließlich um170.000 Schilling her – die fehlende Summe borgte Sacher-Besitzer Rolf Gürtler. Als Draufgabe überließ der Hofrat den beiden Abenteurern auch noch die Restauflage des einst sehr beliebten „Krone“-Kochbuchs, das im 2. Weltkrieg nicht mehr verkauft werden konnte. Der bescheidene Beginn einer großen Zeitungsgeschichte. (hws)

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.07.2014)

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