Pizzicato

Das K.u.k.-Erbe

Uns Österreichern ist das imperiale Gepränge, sind die barocken Insignien der Macht wahrlich nicht fremd. Das K.u.k.-Erbe ist aufgrund der Kern-und-Kurz-Konstellation lebendiger denn je.

War ja auch ein netter Versuch des Neovorsitzenden des Kanzlerwahlvereins, unter dem Antlitz des alten Kaisers die Anwartschaft auf das Erbe der Altvorderen, von Figl, Raab & Schüssel, zu proklamieren.

Fehlte nur noch, dass sich der andere Zwilling des ungleichen Machtduos unter dem Porträt von Bruno K., des republikanischen Monarchen der roten Reichshälfte, inszeniert hätte. Nicht auszudenken indes, welch Aufschrei ausgebrochen wäre, wäre der Anführer der Liste Kurz sonntags in der Abenddämmerung, vielleicht unter den Klängen des Radetzkymarschs, zur Gloriette marschiert, um vor seinen Anhängern eine pathosschwangere Rede zu schwingen – womöglich unter dem Geleit einer berittenen Ehrengarde.

Das blieb Emmanuel Macron vorbehalten, als er über die Champs-Élysées zum Triumphbogen paradierte. Erst war er einsam zum Louvre geschritten, später über den roten Teppich zum Élysée-Palast, unter dem Salut von 21 Kanonenschüssen und ausgezeichnet als Grand Maître der Ehrenlegion. An Glanz und Gloria sind die Franzosen nicht zu übertreffen – und selbst wir Autrichiens können uns noch einen Zacken aus der Krone schneiden.

Reaktionen an: thomas.vieregge@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.05.2017)

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