„Vranz“ und der Germknödel

Wenn ein Politiker im Fernsehen einmal nicht so vorteilhaft aussieht, wie er sich selbst gern sehen möchte, dann sind natürlich alle anderen schuld.

Wenn ein Politiker im Fernsehen einmal nicht so vorteilhaft aussieht, wie er sich selbst gern sehen möchte, dann sind natürlich alle anderen schuld – hauptsächlich die Fotografen und die Kameraleute. So auch geschehen bei dem (übrigens äußerst telegenen) Kanzler „Vranz“ Vranitzky in den 1980er-Jahren. Vor einer Ministerratssitzung galt es, noch schnell mit der ORF-Kamera eine aktuelle Stellungnahme des Bundeskanzlers einzuholen. Der stand gerade vor einem Fenster im Kanzleramt, voll im Gegenlicht. Am nächsten Tag beschwerte sich Kanzlersekretär Karl K. beim Kameramann Herbert Schuler, bekannt und gefürchtet ob seines frechen Mundwerks: „Der Chef hat si aufg'regt, weil er so blad ausg'sehn hat.“ Schuler wollte gerade wortreich die Ehre seiner Zunft verteidigen, da trat plötzlich der Kanzler dazu. Schuler im Originalton zum „Vranz“: „Sie haben an schlechten Hemdenschneider. Der macht Ihna die Hemden um zwa Nummern z'klan. Natürlich schaut dann der Kopf wie a aufg'angener Germknödl aus.“ Vranitzkys Antwort ist leider nicht überliefert.

Die Dritte Nationalratspräsidentin Marga Hubinek bat Schuler einmal, sie mit der sogenannten „Schokoladenseite“ aufzunehmen. Schuler schockte sie mit seiner Beteuerung: „Ka Angst, gnä' Frau. Ich mach no' aus jeder Schabracken an Teenager!“ (hws)

Reaktionen an: hans-werner.scheidl@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.01.2019)

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