Neue Möbel

Er hat's getan. Tatsächlich, er hat sich getraut.

Er hat's getan. Tatsächlich, er hat sich getraut. Hat all das Kramuri, den ganzen Ballast seines Vorgängers abtransportieren und in einem Keller des Wiener Rathauses deponieren lassen: Michael Ludwig, Landesparteivorsitzender und Bürgermeister, hat sich neu möbliert. Das wäre nicht der Erwähnung wert, aber es ist ein Zeichen, neu zu beginnen. Das Büro des Wiener Bürgermeisters, seit Cajetan Felder nahezu unverändert, war von einer atemberaubenden Scheußlichkeit. Altmodisch – das wäre eine freundliche Untertreibung. Seit weiland Franz Jonas (1945) wurde stets nur kosmetisch modernisiert. Für die schiere Größe des Raums konnten die Amtsnachfolger natürlich nichts.

Schon Jörg Mauthe, eine Zeit lang „schwarzer“ Stadtrat, hat diesen Saal in seinem ganzen falschen Pomp sarkastisch beschrieben. Aber alle haben sie sich mit diesem riesenhaften Arbeits- und Besprechungsraum arrangiert: Marek, Slavik, Gratz, Zilk und Häupl. Wer den holzgetäfelten neugotischen Saal betrat, erblickte den Hausherrn zuerst nur als kleinen Punkt im hintersten Winkel; und wer in einem der furchtbar altmodischen Fauteuils Platz nahm, musste alle Kraft zusammennehmen, um wieder hochzukommen. Damit ist jetzt Schluss. Moderne Büromöbel signalisieren eine neue Zeit. Und wir konstatieren: Es war Zeit. (hws)

Reaktionen an: hans-werner.scheidl@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.02.2019)

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