Das Bild hängt schief

Die Szene erinnert stark an einen der bekanntesten Sketchs von „Loriot“.

Die Szene erinnert stark an einen der bekanntesten Sketchs von „Loriot“: Als Versicherungsvertreter wartet er auf den Hausherrn, will ein schiefes Bild an der Wand zurechtrücken, verheddert sich in der Verlängerungsschnur, fegt die Tischlampen vom Platz, das Tellerbord geht zu Bruch, mit einem Wort – am Ende steht das totale Chaos. Ein Sketch wie gesagt. Das jüngste Wahlkampfvideo der FPÖ hingegen greift den Plot zwar auf, meint es aber ernst. Wir erahnen den blauen Kandidaten Norbert Hofer nur von hinten; an der Wand prangt der Hl. Sebastian, ziemlich schief – linkslastig. Mit einer liebevollen Bewegung rückt der blaue Werber das Kurz-Bild gerade. Zärtlicher kann man mit einem politischen Gegner nicht umgehen. Und wir abgebrühten Beobachter unzähliger Wahlkampagnen müssen zugeben: So was haben wir wahrlich noch nie erlebt. Ob diese rührende Szene letztendlich verfängt, das wird sich erst weisen. Aber wir konstatieren: Es hat schon üblere Videos gegeben, weit schlimmere! Vielleicht könnte der derzeitige ÖGB-Präsident Katzian, Vorsteher einer parteiübergreifenden Institution, daraus lernen. Die Erbin Heidi Horten in einer Versammlung seinesgleichen als „Aufg'spritzte mit der Zwei-Millionen-Kette“ zu verspotten, wird die Dame zwar kaum kränken. Es zeigt nur von der Kinderstube dieses vorgeblichen Spitzenfunktionärs. (hws)

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.09.2019)

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