Die Bussi-Revolutionäre

Huch, da zittert unsere Pensionisten- und Apparatschik-Republik: Die linke Jugendorganisation „Revolution“ ruft für 19. November zum Schülerstreik gegen das Sparpaket auf.

Es sei sozial unausgewogen, und man hoffe, eine „breite Welle des Widerstands“ entfachen zu können. Nun ja, das ist so ein Verein, der ganz doll gegen jeden Ismus außer den Kommunismus ist und am liebsten täglich revolutionieren tät. Ach, Revolution, der kitschige, abgegriffene Sozialromantikerbegriff! Solang man/frau die Hormone kochen spürt und die Gesichtshaut noch nicht wieder porentief rein ist, taugt einem das echt. Und am coolsten ist Revolution natürlich, wenn sie wie in Frankreich, Russland, Mexiko oder im Iran ist: Ein bisserl blutig, und am Ende frisst sie ihre Kinder. Aber: No risk, no fun!

Mir gefallen ja diese Demos mit all ihren manisch megafonierten Parolen und Sprechchören, die in strengem Rhythmus wiederholt werden – was mich an die Eigenart quengelnder Kinder erinnert, dasselbe Wort so lange zu wiederholen (und zwar in exakt gleichen Zeitabständen, als ob eine Schallplatte einen Sprung hätte), bis man genervt auf sie eingeht, etwa: „Duhu, Papa?!“ – „Duhu, Papa?!“ – „Duhu, Papa?!“ etc. Aber die Situation ist ja dieselbe: Die wollen was, und keiner hört zu. WG


E-Mails an: wolfgang.greber@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.11.2010)

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