Von der Tarantel pizzikiert

Hysterisch gebärden sich zuweilen nicht nur Frauen.

Kürzlich erreichte uns folgende Depesche: „An der südöstlichen Spitze Italiens, im Salento, kommt es jahrhundertelang zu einem Ereignis, in welchem sich vor allem Frauen einige Tage oder eine Woche hysterisch gebärden.“ So weit so ungewöhnlich. Wobei zu betonen ist: Hysterisch gebärden sich zuweilen nicht nur Frauen. Doch weiter: „Frauen imitieren das Bellen eines Hundes, stöhnen, wälzen sich am Boden und tanzen eine unglaubliche Anzahl von Stunden pro Tag zum Rhythmus der pizzica.“ Man nennt die Frauen: die Tarantelbesessenen (tarantate).

Aha, nun wissen wir es. Pizzicato heißt bekanntlich „gezupft“ bzw. „gezwickt“: Wen in Süditalien eine Tarantel (deren Gattungsname Tarentula übrigens nach der italienischen Stadt Tarent benannt ist) zwickt oder „pizzikiert“, der zuckt im Rhythmus der Pizzica aus. Bei diesem Pizzica-Tanz umarmen sich zwei Tanzpartner herzlich: Das dürfen auch zwei Frauen, und ja, sogar zwei Männer sein. So war es jedenfalls bis in die 1980er-Jahre, erzählt man sich im Salento. Das bestätigt heute Abend auch ein Vortrag im Wiener IFK. Das ist übrigens eines jener Institute, die von den Einsparungen bei außeruniversitärer Forschung äußerst pikiert sind. VERS


E-Mails an: veronika.schmidt@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.04.2011)

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