Porsche 718 Cayman S: Kurven statt Golfplatz

Pässe stürmen statt in der Innenstadt posieren: Der Porsche 718 Cayman S empfiehlt sich als Fahrmaschine mit höchsten Weihen. Auch wenn man der Baureihe zwei Zylinder abgenommen hat.

Porsche 718 Cayman S.
Schließen
Porsche 718 Cayman S.
Porsche 718 Cayman S. – (c) Die Presse (Clemens Fabry)

Bis vor wenigen Jahren hat Porsche die Einführung eines neuen Einsteiger-Sportwagens erwogen, so eine Art 924er dieser Tage, die Pläne dann aber verworfen. Den Weg zu den stolzen Stückzahlen von heute hat schließlich der Macan eröffnet – klar, ein SUV.

Schließen
Porsches Baureihe für Einsteiger mit 2,5-Liter-Vierzylinder: Porsche 924, hier in S-Variante von 1987. –

Boxster und Cayman erfüllen den Einsteigerzweck nur bedingt, und in neuer, aufgewerteter Generation als 718 ist die Hürde nicht kleiner geworden.

 

Rarität Mittelmotor

Nicht wenige lassen sich in unseren Breiten lieber noch ein paar Jahre Zeit und sehen zu, dass sich doch noch ein 911er ausgeht – oder trösten sich mit dem Macan, den man rationell auch viel besser begründen kann.

Arme Leute – wissen nicht, was ihnen entgeht! Autos wie der 718 Cayman S gehören besessen und gefahren, solange man noch halbwegs geschmeidig rein- und rausklettern kann und auf Straßen die Kurven sieht und nicht das Wirtshaus oder den Golfplatz. Mit relativ geringem Gewicht, Heckantrieb und Mittelmotor hat der Cayman die pursten Sportwagengene im regulären Porschesortiment.

Schließen
Sportwagenpurismus: Cayman S mit Mittelmotor. – (c) Die Presse (Clemens Fabry)

Den Umstieg vom Sechszylinder- zum Vierzylinder-Boxer mag man als Abwertung empfinden. Wir sind uns da nicht so sicher. Das Klangbild ist zunächst nicht wirklich erhebend, zugegeben, aber dieser Motor ist schon eine Gewalt, die gern willkommen ist. Diese eine Parallele zum Porsche 924 immerhin gibt es: Der hatte auch einen 2,5-Liter-Vierzylinder (wenn auch nicht als Boxer). Seine Leistung: 160 PS. Im Cayman S werden aus dem gleichen Hubraum 350 PS mobilisiert.

 

Nix Babyporsche!

An dieser Stelle müssen wir abermals die Historie bemühen, um den Wert in Relation zu setzen. Der erste Porsche Turbo (1974) hatte sagenhafte 240 PS aus einem 3,0-Liter-Sechszylinder.

Schließen
Damals eine Urgewalt: Porsche 911 Turbo. –

Der rennsportnahe GT3 des 2000er-Jahrgangs hatte 360 PS. Der aktuelle 911er hat nur 20 PS mehr als der Cayman S.

Schließen
POrsches sportliche Spitze: 911 GT3 (2001) mit 360 PS. –

Man sieht: Nix Babyporsche! In kundiger Hand ist der kompakte, keine 4,4 Meter lange Zweisitzer eines der schnellsten Autos auf der Straße. Zumal der Sprung zum nächsten Mittelmotorsportler riesig ist: Vom qualitativ eher zugigen Alfa 4C abgesehen, müsste man schon auf einen Ferrari, Lamborghini oder McLaren sparen.

Besonderheit der S-Variante des Cayman: Der Turbolader ist mit variabler Turbinengeometrie ausgestattet, eine von Porsche beim Turbo-Topmodell eingeführte und bei Ottomotoren wegen der hohen Temperaturen äußerst anspruchsvolle Technik, bei der die Schaufelchen vor dem Turbinenrad je nach Last verstellt werden können. Einfacher Effekt: mehr Dampf in allen Lebenslagen.

Porsche-typisch liegt natürlich nicht alles am Motor. Man kann spätestens im nächsten Jahr von einer noch deutlich kräftigeren GT4-Variante ausgehen – das Fahrwerk wird auch dafür gerüstet sein.

 

Schließen
20-Zöller stehen dem Cayman ausgezeichnet - kosten aber extra. – (c) Die Presse (Clemens Fabry)

Die 350 PS lassen sich jedenfalls rückstandsfrei auf dem Asphalt verteilen, erst ab Eintritt in den Grenzbereich lassen sich Slides produzieren, wobei der Cayman als Mittelmotorauto schnippischer reagiert und sehr feinfühlig bedient werden will. Im dynamischen Normalfall sorgt die mechanisch geregelte Hinterachs-Quersperre für unerschütterliche Traktion, wie sie den Kurvenausgang für maximales Herausbeschleunigen auskleidet. Grandiose Bremsanlage! Nahezu deppensicher, möchte man sagen, lässt sich der Cayman schnell fahren.

Schließen
Im Lenkrad sieht man das Wählrad für das Setting samt Sport-Response-Button. – (c) Die Presse (Clemens Fabry)

Als eines von wenigen Autos könnten wir uns den Cayman auch als Handschalter sehr gut vorstellen. Als Spiegel der Marktnachfrage war unser Testexemplar mit Siebengang-PDK ausgestattet, über das man sich natürlich auch nicht beschwert. Im Stadtverkehr nimmt es einem die Arbeit ab, im Kurvengetümmel ist es nicht verkehrt, beide Pfoten am Lenkrad zu haben – das Hantieren an den Paddles kann man sich fast sparen, so akkurat waltet die Automatik im Sport- oder Sport-Plus-Modus zwischen den Schaltstufen. Die Modi werden wie im 911 über ein Drehrädchen im Lenkrad abgerufen. In der Mitte sitzt der Sport-Response-Button, der für 20 Sekunden zum Angriff bläst. Haben wir nie gebraucht, hat auch so gereicht.

PORSCHE 718 CAYMAN S

Maße: L/B/H 4379/1801/1295 mm. Radstand 2475 mm. Leergew. 1385 kg.

Motor: 4-Zylinderboxer-Turbo, 2497 cm. 257 kW/350 PS bei 6500/min. 420 Nm. Vmax 285 km/h. 0–100 in 4,4 sec.

Testverbrauch 11,6 l/100 km.

Preis ab 77.708 Euro (mit 7-Gang-PDK).

("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.05.2017)

Die Presse - Testabo

Testen Sie jetzt „Die Presse“ und „Die Presse am Sonntag“ sowie das „Presse“-ePaper und sämtliche digitale premium‑Inhalte 3 Wochen kostenlos und unverbindlich.

Jetzt 3 Wochen testen
Meistgelesen
    Meistgekauft
      Kommentar zu Artikel:

      Porsche 718 Cayman S: Kurven statt Golfplatz

      Schließen

      Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
      Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.