Motorrad: Das Imperium rollt zurück

Man finde den Fehler: Überzeugender Auftritt von Hondas mittelgroßem Allzweckroller Forza 300.

Forza 300: Mit Topcase um 500 Euro extra.
Forza 300: Mit Topcase um 500 Euro extra.
Forza 300: Mit Topcase um 500 Euro extra. – (c) Werk

Unlängst berichteten wir von BMWs Einstieg in die Klasse der mittelgroßen Roller mit der C400 – ein feines Ding, das Premium-Besitzerstolz nach Art des Hauses in das sonst eher nüchtern-funktional orientierte Fach bringt. Die BMW hat freilich ihren Preis (8600 Euro), und es ist beruhigend zu erfahren, dass sie in der deutlich günstigeren Honda Forza 300 (ab 5990 Euro) ihre Meisterin findet.

Dem größten Zweiradhersteller der Welt kann man offenbar nichts vormachen, wenn es um Roller geht. Die Forza ist in den Details weniger aufwendig gestaltet, hat etwa kein TFT-Display, wie es auf der BMW Eindruck schindet, und der zentrale Drehknopf für Zündung und andere Funktionen ist irgendwie fiddelig gegen den smarten Soft-Druckknopf der C400. Auch kann man die Honda nicht mit einer App vernetzen, um zum Beispiel Navigation ins Display zu holen. In diesem walten bei der Honda analoge Instrumente neben einigen Digitalanzeigen.

Doch keyless ist sie mittlerweile auch, das Windschild ist elektrisch verstellbar, und wenn es ans Fahren geht, macht sich schnell Gewissheit breit: Die Honda kann alles ebenso gut wie die Premium-bepreiste BMW, eher noch besser. Das Honda-Fahrwerk ist nicht ganz so geschmeidig darin, schlechte Straßen wegzustecken, aber das Fahrverhalten mit erhöhter Sitzposition für gute Übersicht ist insgesamt mustergültig und sehr dynamisch ausgelegt.

Der leise, vibrationsarme 279-cm3-Einzylinder leistet 25 PS/27,2 Nm; dass die Forza so forsch am Gas hängt, liegt auch am geringen Gewicht von 182 kg fahrbereit. Auf 50 ist man schneller, als manche Autos an der Ampel in die Gänge kommen; während unserer Testfahrten zeigte sich auch kein Roller, der es mit der Forza hätte aufnehmen können. Die kann's auch in Kurven, dermaßen viel Vertrauen vermittelt sie an den Fahrer, nicht zuletzt durch die Kombibremse, die das Eintauchen der Gabel unterbindet. Die Forza 300 zeigt, wie ein schneller Roller für die Stadt aussieht, der auch Appetit auf Ausfahrten macht. (tiv)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.06.2019)

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