Peugeot 508 SW: Gut gebrüllt, Löwe!

Elegant, schön und sportlich: Die neue Generation des Peugeot- 508-Kombi ist ein echter Franzose.

Eine elegante Erscheinung auf Österreichs Straßen und Beispiel dafür, dass Kombis auch schön sein können: Der Peugeot 508 SW.
Eine elegante Erscheinung auf Österreichs Straßen und Beispiel dafür, dass Kombis auch schön sein können: Der Peugeot 508 SW.
Eine elegante Erscheinung auf Österreichs Straßen und Beispiel dafür, dass Kombis auch schön sein können: Der Peugeot 508 SW. – (c) Die Presse (Clemens Fabry)

Wien. Nein, Liebe auf den ersten Blick war es nicht. Wenn man zum ersten Mal in einem Peugeot sitzt, und dann noch dazu im völlig neu gestalteten 508 SW (dem Kombi), ist alles ungewohnt. Bei diesem Auto vor allem die Anzeigen: Sie sind nämlich nicht wie üblich hinter, sondern über dem Lenkrad angebracht. Ungewohnt klein fällt daher auch das Lenkrad aus.

(c) Die Presse (Clemens Fabry)

Mit der Zeit haben wir uns nicht nur aneinander gewöhnt, sondern haben sogar eine freundliche Zuneigung entwickelt. Bei den Anzeigen etwa: Wie sinnvoll ist doch diese Anordnung! Nie verdeckt man etwas mit dem Lenkrad, immer sind alle Informationen deutlich sichtbar. Und überhaupt dieses kleine Lenkrad, das mehr an jenes eines Gokarts oder an die Formel 1 erinnert! Handlich, schnell reagierend, man muss auch nicht ewig kurbeln und umgreifen, wenn man beispielsweise wegen der furchtbaren sommerlichen Staus über die Wiener Hausberge ausweichen muss oder für einen Schweinsbraten schnell ins Schwarzatal fährt.

 

Maß nehmen am Panamera

Auf dieses Auto muss man sich einlassen und einstellen, man muss sich herantasten und es langsam erobern. Dann hat man mit dem Peugeot 508 SW einen weitgehend perfekten Kombi, der sich flott und sportlich fahren lässt, viel Platz bietet und noch dazu gut aussieht. Denn der 508 SW ist wahrlich ein fescher Franzose. Die Tendenz, Kombis im Stile eines Coupés zu formen, kennt man ja bereits aus Deutschland und seit jüngster Zeit sogar aus Südkorea. Die Designer der Grande Nation haben aber ganze Arbeit geleistet, als Beispiel seien nur die rahmenlosen Fenster erwähnt. Es ist keine kleine Sache, das ordentlich hinzubekommen, und deshalb sieht man es auch so selten (Audi hat sie beispielsweise beim Q8 geschafft und ist darauf recht stolz).

Gelingt es aber, auf den Rahmen zu verzichten, kann man das Auto flacher bauen, womit es dynamischer aussieht. Der 508 kommt auf eine Höhe von gerade einmal 1,42 Meter. Das ist die gleiche Höhe wie von einem Porsche Panamera.

Peugeot 508 SW von innen.
Peugeot 508 SW von innen.
Peugeot 508 SW von innen. – (c) Die Presse (Clemens Fabry)

Und weil wir gerade bei diesem Vergleich sind: Der 508 SW ist mit 1859 Millimetern nur acht Zentimeter schmäler als der breite Familiensportwagen aus Zuffenhausen. Das verleiht ihm von hinten sportliche Proportionen, die noch verstärkt werden durch die auch tagsüber illuminierten Rückleuchten: drei Stück mit Streifen, die die Krallen des Löwen zeigen sollen (muss man dazusagen). Und natürlich gehört zur Abrundung der optischen Sportlichkeit ein verchromtes Doppelauspuffendrohr. Darüber öffnet sich per simplem Fußschwenk automatisch ein Kofferraum mit einem Volumen von zwischen 530 und 1780 Litern – trotz der flachen, dynamischen Gestalt passabel viel.

Vorn sieht der 508 SW nicht ganz so beeindruckend aus, ist aber dank der Full-LED-Scheinwerfer, der Tagfahrlichter und des markanten Löwenemblems im Kühlergrill auch recht ansehnlich.

 

Herausfordernde Bedienung

Innen haben die Franzosen groß aufgetragen mit einem Set-up, das manche an ein Raumschiff erinnert, einer hochgezogenen Mittelkonsole, schicker Verarbeitung und hochwertigen Materialien. Es geht nicht nur schön, sondern auch praktisch: Ein belüftetes Handschuhfach für zwei 1,5-Liter-Flaschen etwa, ergonomische Sitze mit Massagefunktion, eine induktive Ladestation fürs Handy (die aber so versteckt in der Mittelkonsole angebracht ist, dass wir nicht nur ein Mal das Handy vergessen haben).

Auch alle erdenkbaren Assistenten hat man in den 508 SW gepackt, vom Nachtsichtsystem über den adaptiven Tempomaten, eine Verkehrsschilderkennung und einen Müdigkeitswarner bis hin zum Parkassistenten.

Mit der Bedienung all dieser Ausstattungsmerkmale, von Navi und Radio hatten wir im Test unsere liebe Not. Gehen würde es über eine Art Klaviertasten im Armaturenbrett, direkt am Touchscreen oder teilweise auch am Lenkrad. In der Praxis waren wir damit überfordert, intuitiv ist anders. Wir haben es zum Beispiel bis zum Schluss nicht geschafft, die Uhr auf die Sommerzeit umzustellen. Offenbar unsere Vortester auch nicht, weil die Umstellung ja schon im März war.

Dem dynamischen Erscheinungsbild trägt der 508 SW mit Fahrwerk und Motorisierung Rechnung. Der 2,0-Liter-Dieselmotor mit 177 PS (130 kW) ließ sich vor allem im Sportmodus und in Kombination mit der Achtgangautomatik spaßvoll fahren, die Mehrlenker-Hinterachse mit variabel gesteuerter Federungsdämpfung gab den notwendigen Halt auf dem kurvenreichen Weg zum Schweinsbraten. Benötigt hat der 508 SW dafür 7,2 Liter.

Der Peugeot 508 SW beginnt bei 35.950 Euro, für die besser ausgestattete GT-Line bezahlt man ab etwa 41.000 Euro.

DATEN

Maße: L/B/H: 4778/1859/1420 mm Radstand: 2793 mm; Wendekreis: 10,8 Meter; Leergewicht: 1615 kg

Kofferraum: min. 530 Liter, mit umgeklappten Rücksitzen 1780 Liter.

Motor: BlueHDiEAT8, Hubraum: 1997 ccm; Leistung: 130 kW (177 PS) bei 3750 U/Min.; Drehmoment: 400 Nm bei 2000 U/Min.; 0–100 km/h: 8,4 Sek.; vMax: 231 km/h. Verbrauch: 4,0 bis 5,9 Liter/100 km; Testverbrauch: 7,2 Liter; Abgasnorm: Euro 6d-TEMP

Preis: ab 35.950 Euro

Compliance-Hinweis:

Die Reisen zu Produktpräsentationen wurden von den Herstellern unterstützt. Testfahrzeuge wurden kostenfrei zur Verfügung gestellt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.08.2019)

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