Fahre und Teile: ÖAMTC startet E-Moped-Sharing in Wien

Der ÖAMTC wird Mobilitätsanbieter und stellt 150 elektrische Scooter in Wien auf. Die können - ähnlich wie Car2Go - über eine App ausgeborgt und überall abgestellt werden.

Die Easy-Way-Roller des ÖAMTC
Die Easy-Way-Roller des ÖAMTC
Die Easy-Way-Roller des ÖAMTC – APA/HERBERT PFARRHOFER

Kaum haben die gelben Ofo-Leihfahrräder die Stadt verlassen, zieht ein neues Verkehrsmittel ein. Es ist ebenfalls gelb (und schwarz), hat auch zwei Räder, ist aber schneller als das Fahrrad. Mit "Easy Way" steigt der ÖAMTC ins Sharing-Geschäft ein. Ab sofort bietet die Organisation 150 elektrische Mopeds (E-Roller) in Wien an. Sie können im Geschäftsgebiet - das sich innerhalb des Gürtels, der Tangente und Donau befindet - jederzeit via App ausgeborgt werden und an einem beliebigen Punkt (korrekt auf einem Parkplatz) abgestellt werden. Auch in Graz werden testweise 15 E-Roller abgestellt.

Mit 45km/h durch die Stadt

Die Roller fahren maximal 45 km/h. Vier Euro kostet eine halbe Stunde, ab dann wird pro Minute abgerechnet, die zehn Cent kostet. Man habe sich bewusst für keine Minutenabrechnung zu Beginn entschieden, um "Stress und mögliche Unfälle zu vermeiden", sagte Ernst Kloboucnik, ÖAMTC-Landesdirektor für Wien, Niederösterreich und Burgenland am Dienstag. Eineinhalb Jahre hat man beim ÖAMTC das Projekt vorbereitet. Am Dienstag wurden die Roller (auch E-Scooter genannt) unter der Anwesenheit von Sänger Josh ("Cordula Grün"), Ex-Skirennläuferin Lizz Görgl und Schauspielerin Hilde Dalik  präsentiert.

800.000 Euro kostet das Projekt. Wenn es gut läuft, dann wird das E-Scooter-Sharing in den nächsten Jahren ausgebaut - auf ein größeres Gebiet und mit mehr Rollern, sagt ÖAMTC-Direktor Oliver Schmerold. E-Mobilität sei gerade für den urbanen Bereich besonders gut geeignet. E-Scooter seien "gerade im innerstädtischen Bereich ein flexibles, umweltfreundliches und günstiges Fortbewegungsmittel". Für den Einstieg sei man sehr zufrieden, wenn man heuer noch über 10.000 Nutzer zählen könnte.

Die neuen E-Roller sind für alle gedacht: Wiener, Pendler, Stadtbesucher. Einzige Voraussetzung für die Nutzung ist ein Auto-, Motorrad- oder Moped-Führerschein. Der muss via App eingescannt werden und wird dann innerhalb von zehn Minuten freigegeben, außerdem muss man mit einem Selfie bestätigen, dass man selbst der Besitzer des Führerscheins ist. Dann steht das System jedem zur Verfügung. Im Gepäcksträger befinden sich bei jedem Roller zwei Helme in Größe small and large, damit könne man die meisten Kopfgrößen abdecken, heißt es seitens des ÖAMTC. Um das System hygienisch zu halten, gibt es eine kleine Wegwerf-Mütze, die man unter dem Helm trägt. Weiters ist ein kleiner Erste-Hilfe-Beutel im Gepäcksträger vorhanden - mit Pflaster und einer Notfalls-Alu-Decke.

Wie schaltet man den Roller ein?

Wer vor einem der Roller steht und länger nicht mehr gefahren ist,  ist dann trotzdem einmal kurz überfordert. Wo schaltet man ihn ein und wo gibt man Gas? Und löst man den Ständer vorher oder nachher? Und was heißt der Schalter "Pass"? Wer selbst keine Routine im Rollerfahren hat, sollte sich also überlegen, sich einfach so einen Roller auszuborgen. Auch wenn das Angebot so niederschwellig ist. "Wir weisen natürlich auf die Eigenverantwortung des Nutzers hin. Wenn jemand noch nie auf einem Zweirrad unterwegs war oder schon lange nicht mehr, dann empfehlen wir bei der ÖAMTC-Fahrtechnik einen Drei-Stunden-Kurs zu machen, wo man wieder Sicherheit gewinnt. Aber wir nehmen den Leuten nicht die Eigenverantwortung ab", sagt Schmerold.

Tatsächlich ist die Bedienung dann doch relativ einfach. Der Ständer wird natürlich sofort gelöst, dann setzt man sich drauf (beide Beine am Boden) und sieht sich einmal die Anzeige und Knöpfe an. "Pass" ist die Lichthupe, das Licht ist sowieso immer an, kann aber auf Fernlicht oder Abblendlicht umgeschalten werden. Dann drückt man den Start-Knopf und schon geht es los. Der Roller gleitet dahin, gebremst wird mit den beiden Handbremsen. Das ist alles kein Problem. Ungewöhnlich ist, dass er so leise ist - was sich laut Fahrsicherheitsleiter aber ändert, sobald man schneller fährt - denn dann wäre der Fahrtwind sowieso lauter als jedes Motorgeräusch.

Eine Firma lädt die Roller auf

Aufgetankt, also an die Steckdose angeschlossen, müssen die E-Roller übrigens nicht werden. Sobald der Akku für weniger als eine halbe Stunde Strom hat, wird das Moped aus dem System genommen und von einer Service-Firma (die übrigens selbst mit E-Autos fährt) wieder aufgeladen.

Dass der E-Scooter-Flotte ein ähnliches Schicksal droht wie den gelben Leihfahrrädern, die Opfer von Vandalismus wurden und die Wiener nervten, weil sie überall im Weg standen, glaubt Schmerold nicht. "Ein Moped ist ein zugelassenes Fahrzeug für den Straßenverkehr und wir gehen davon aus, dass die Leute das wie ein Carsharing-Auto behandeln." Dass der eine oder andere E-Scooter umgeschmissen werden wird, lasse sich vermutlich dennoch nicht vermeiden. "Aber aus Angst vor Vandalismus nichts zu unternehmen, da hätten wir auch ein trauriges Stadtbild."

E-Roller-Start-up gibt es bereits

Der erste E-Roller-Anbieter ist der Stadt ist der ÖAMTC trotzdem nicht. Mit goUrban gibt es bereits seit einem Jahr ein Start-up, das sich auf den Verleih von E-Rollern spezialisiert hat. 50 solcher Roller gibt es derzeit von goUrban in der Stadt, das Start-up hat 6000 Nutzer. Im Gegensatz zu den ÖAMTC-Rollern kann man bei goUrban auch zu zweit darauf sitzen. "Das nutzen viele", sagt Gründer Jonathan Gleixner. Das Start-up rechnet pro Minute ab, die 21 Cent kostet. Wer Minutenpakete kauft, der zahlt für die Minute je nach Paket 14 Cent. Vom ÖAMTC fühlt sich Gleixner nicht bedroht. "Der Markt ist noch sehr jung. Wenn viele Fahrzeuge auf der Straße sind, dann profitieren alle davon", sagt er zur "Presse". In Berlin, wo es solche E-Scooter schon gebe, sei der Markt durch mehr Anbieter für alle gewachsen.

>>> Easy Way Elektro-Roller - ÖAMTC

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