Gesundheit: Männer sind keine Vorsorgemuffel

Der „Movember“ gibt Vorsorge bei Männern ein positives Image. In Österreich gehen 42Prozent der Frauen und Männer zu Vorsorgeuntersuchungen. Frauen sind durch Mutter-Kind-Pass-Untersuchungen im Vorteil.

(c) FABRY Clemens

Wundern Sie sich nicht, wenn Ihnen im November immer mehr Männer mit Schnurrbart begegnen. Die Initiative aus Australien hat längst Österreich erreicht und heißt „Movember“: „Mo“ steht für „Moustache“, also Schnauzbart. Den soll man sich im November wachsen lassen, um auf das Thema Männergesundheit aufmerksam zu machen. Einerseits sollen Spendengelder gesammelt werden, die in Gesundheitsprogramme für Männer investiert werden. Andererseits bieten frische Schnurrbärte Gesprächsstoff, um das Thema Vorsorge bei Männern auf lustige Art ins Bewusstsein zu rufen.

Fußballer, Nachrichtensprecher und Schauspieler verändern im „Movember“ ihr Antlitz, eine Vorbildfunktion für junge Männer. Laut einer Umfrage in Wien und Umkreis waren 44Prozent der 300 befragten Männer noch nie im Leben beim Urologen. „Doch Männer sind keine Vorsorgemuffel. Das ist ein negatives Klischee“, sagt Anita Rieder, Leiterin des Zentrums für Public Health der Med-Uni Wien. Die größte Gesundheitsbefragung Österreichs mit 15.000 Teilnehmern, koordiniert von der Statistik Austria, zeigte: Sowohl bei Männern wie bei Frauen waren 42Prozent in den letzten drei Jahren bei einer Vorsorgeuntersuchung. Ein hoher Anteil verglichen mit anderen Ländern.

„Öfter zur Gesundenuntersuchung gehen über 40-Jährige, Leute mit höherem Einkommen, mit höherer Bildung und wer in Österreich geboren wurde“, so Rieder. Kampagnen für das Vorsorgebewusstsein müssten entweder gezielt jüngere Leute, niedrigere Einkommens- oder Bildungsschichten oder Migranten ansprechen. Männer fühlen sich von allgemeinen Gesundheitskampagnen wenig angesprochen, auch sie müssen gezielt adressiert werden. „Frauen, die schwanger werden, bekommen durch Mutter-Kind-Pass-Untersuchungen eine Vorsorge auch für Herz-Kreislauf-Risikofaktoren, die jüngeren Männern fehlt.“

 

Gesund zur Untersuchung?

Die Frage ist auch: Verdient die „Gesundenuntersuchung“ ihren Namen? Denn die meisten Menschen bei Vorsorgeuntersuchungen haben bereits Beschwerden oder eine chronische Krankheit. „Diese Leute gehören aber zu einer abklärenden Diagnose. Zur Vorsorge soll man, wenn man keine Symptome hat. Nur so können bislang beschwerdefreie Risikofaktoren entdeckt werden“, sagt Rieder. Vor allem das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen sollte bei Männern unter 40 abgeklärt werden: Risikofaktoren sind Übergewicht, Adipositas, Bluthochdruck, erhöhtes Gesamt-Cholesterin und erhöhter Blutzuckerspiegel. Letzteres auch, um Diabetes und Vorstufen frühzeitig therapieren zu können.

„Es geht bei Männergesundheit nicht allein um Prostatakrebs“, betont die Sozialmedizinerin. Die Kontrolle ist freilich wichtig, doch Rieder wünscht sich, dass Urologen zusätzlich zur normalen Untersuchung auch die Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes zum Thema machen.

Das Wiener Team erstellte 1999 den weltweit ersten Männergesundheitsbericht, der erklärte, warum Männer eine geringere Lebenserwartung als Frauen haben. Darm-, Lungen-, Prostata- und Blasenkrebs betreffen vor allem Männer, auch Herz-Kreislauf-Erkrankungen und chronische Atemwegserkrankungen kosten Männer mehr Lebensjahre. Und auch Arbeits- und Verkehrsunfälle sind für viel mehr Männer ein Risiko als für Frauen. (vers)

LEXIKON

Die Initiative Movember kommt aus Australien: Männer lassen im November einen Mo (Moustache), also Schnurrbart wachsen, um auf das Thema Männergesundheit aufmerksam zu machen.

Das Zentrum für Public Health der Med-Uni Wien verfasste unter anderem den ersten Männergesundheitsbericht und arbeitete am EU-Männergesundheitsbericht mit, um zu klären, warum Männer eine niedrigere Lebenserwartung als Frauen haben.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 31.10.2014)

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