Lungenkrebs: Immuntherapie-Studien zeigen Fortschritten

Beim kleinzelligen Lungenkarzinom gelingt Medizinern in der medikamentösen Therapie im Stadium IV der erste Fortschritt seit 30 Jahren.

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Erstmals in Jahrzehnten gelingt der Medizin die Verlängerung der Lebenserwartung beim kleinzelligen Lungenkarzinom. Die entsprechende Studie mit österreichischer Beteiligung wurde bei der Welt-Lungenkarzinom-Konferenz (23. bis 26. September) präsentiert und im New England Journal of Medicine veröffentlicht. Sie beruht auf Entdeckungen der neuen Medizin-Nobelpreisträger zur Krebs-Immuntherapie.

"Das ist beim kleinzelligen Lungenkarzinom in der medikamentösen Therapie im Stadium IV der erste Fortschritt seit 30 Jahren. Die Patienten sind typischerweise schwere Raucher, die zunächst gut auf die Therapie ansprechen, aber recht schnell einen Rückfall erleiden. Sie haben im Laufe der Erkrankung oft schwere Symptome", sagte der Wiener Lungenkarzinom-Spezialist Maximilian Hochmair (Otto-Wagner-Spital/KAV) gegenüber der APA.

"Es tut sich sehr viel"

Der Experte war Co-Autor sowohl in dieser als auch in einer Studie über die Therapie von ALK-positiven Tumoren der Lunge, die in Plenarsitzungen der Konferenz in Toronto präsentiert wurden und gleichzeitig im New England Journal of Medicine erschienen. Generell sagte Hochmair zur derzeitigen Situation in Sachen Lungenkrebs: "Es tut sich sehr viel. Aber alles, was wir tun, ist wenig im Vergleich zu dem Effekt, den ein Rauch-Stopp bringen würde."

In der sogenannten IMpower133-Untersuchung zum kleinzelligen Lungenkarzinom wurden 201 Patienten im fortgeschrittenen Stadium IV der Erkrankung mit der herkömmlichen Chemotherapie (Carboplatin und Etoposide) behandelt und erhielten zusätzlich noch das Immuntherapeutikum Atezolizumab (PD-L1-Inhibitor). In der Placebo-Gruppe mit 202 Patienten erfolgte die Therapie ausschließlich mit den Chemotherapeutika. Nach einem medianen (50 Prozent darüber, 50 Prozent darunter) Beobachtungszeitraum von 13,9 Monaten betrug die durchschnittliche Überlebenszeit der Patienten mit zusätzlicher Immuntherapie 12,3 Monate, in der Placebo-Gruppe 10,2 Monate. Der Unterschied war statistisch signifikant. "Erstmals gab es damit ein Überleben solcher Patienten über ein Jahr hinaus. Diese zwei Monate Unterschied klingen nicht besonders viel. Aber erstmals machen wir bei dieser Erkrankung wirklich Fortschritte", sagte Hochmair. An der internationalen Untersuchung hatten insgesamt vier österreichische Zentren teilgenommen. Ein erheblicher Anteil der Patienten insgesamt stammte aus dem Otto-Wagner-Spital.

Bessere Wirksamkeit bei Hirnmetastasen

Bei dem Kongress war auch eine ähnliche Wirksamkeitsstudie (Pacific-Untersuchung) bei Patienten mit nicht-kleinzelligem Lungenkarzinom im nicht operablen Stadium III präsentiert und ebenfalls im New England Journal of Medicine publiziert worden: Dabei brachte eine nach Chemo- und Strahlentherapie angefügte Immuntherapie mit dem monoklonalen Antikörper Durvalumab (PD-L1-Inhibitor) eine Steigerung der Zwei-Jahres-Überlebensrate von 55,6 Prozent (Placebo) auf 66,3 Prozent. Zusammengenommen bedeutet das laut Hochmair und dem Bronchuskarzinomspezialisten des Wiener AKH, Robert Pirker, dass in Zukunft wohl alle Patienten mit fortgeschrittenem kleinzelligen oder nicht-kleinzelligen Lungenkarzinomen Immuntherapeutika erhalten sollten.

Die zweite Studie, in der Hochmair als Co-Autor angeführt wird, war ein Vergleich der Therapie mit den zielgerichteten Tyrosinkinase-Hemmern Brigatinib oder Crizotinib bei sogenannten ALK-mutierten Lungenkarzinomen. Drei bis fünf Prozent der Patienten mit Lungenkrebs weisen diese genetisch als Unterform identifizierbare Erkrankung auf. Wirkstoffe der zielgerichteten Therapie entfalten ihren Effekt exakt bei solchen Mutationen im Tumorgewebe. Bei 67 Prozent der 137 Patienten, welche mit Brigatinib behandelt worden waren, zeigte sich nach einem Jahr ein Überleben ohne Krankheitsfortschritt, hingegen bei 43 Prozent der Kranken unter Behandlung mit Crizotinib. Die wirksamere Therapie zeichnete sich auch durch eine bessere Wirksamkeit bei Hirnmetastasen aus, welche für Lungenkrebspatienten besonders belastend und gefährlich sind.

Ein weitere Studie mit einer zielgerichteten medikamentösen Therapie betraf die Substanz Entrectinib, welche als zielgerichtetes Therapeutikum speziell bei Mutationen in den Genen ROS1 und NTRK wirken soll. Dabei wurde ein Ansprechen bei rund 77 Prozent der Behandelten mit fortgeschrittener Lungenkarzinomerkrankung registriert. "Es sind zwar von allen Patienten mit Lungenkrebs nur wenige, welche diese Erkrankungsform haben, aber es zeigt sich eben, dass wir in Zukunft für viele der Unterarten des Lungenkarzinoms jeweils speziell wirkende Arzneimittel haben werden", sagte Hochmair. Das größte Problem rund um das Lungenkarzinom bleibe aber weiterhin das Rauchen.

 

(APA)

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