Sport-Club: Abenteuerlich

Durch verwachsene Waldwege und vorbei an quakenden Enten: Ein Lauf am Wienerberg.

(c) Julia Neuhauser

Das Guinness-Buch ist seit dieser Woche um einen Weltrekord reicher: Der Brite Jamie McDonald lief innerhalb einer Woche mehr als 827 Kilometer – und zwar nicht irgendwo, sondern auf einem Laufband. Mehr als 20 Stunden ist er täglich auf dem Gerät gestanden. Ich habe Respekt vor der Leistung des selbsternannten „Adventureman“, bezweifle aber, dass er am Laufband irgendwelche Abenteuer erlebt hat.

Laufen ist kein Selbstzweck. Es ist mehr als Sport. Es ist ein Erlebnis – oftmals eines in der Natur. In der Großstadt ist das zugegebenermaßen nicht immer so. Manchmal aber doch. Beim Blick auf den Stadtplan, der bei mir als Wahlwienerin zu Lernzwecken an der Wand hängt, ist mir der Wienerberg in Favoriten ins Auge gestochen. Ein Ort, der mir bisher vor allem aus dem Verkehrsfunk bekannt gewesen ist. Zu unrecht, wie sich bei meinen Besuch herausstellte. Denn hier, in dem rund 120 Hektar großen Erholungsgebiet, lässt es sich sehr gut laufen. Schnellere Runden spult man auf den breiten Schotterwegen ab, langsamere genießt man auf den schmalen, erdigen Waldwegen. Ab und zu gilt es über Wurzeln zu springen und den ein oder anderen Ast, der in den Weg hineinragt, mit den Händen wegzuschieben.

Mein Lauf führte mich um den Wienerbergteich. Mit Blick auf das blaue Wasser, die grünen Bäume und das braune Schilf, das sich im Wind wiegt, wird es nicht langweilig, die rund drei Kilometer lange Runde öfters zu laufen. Neben Fischern, Pensionisten und Kindergartengruppen kann man dabei auch Enten, Kröten und Vögeln begegnen. Deren Gequake und Gezwitschere wird allerdings ab und zu von Bau-, Auto- und Flugzeuglärm übertönt. Alles andere wäre für einen Lauf in der Stadt wohl doch zu abenteuerlich.

Das sind viele (hoffentlich überzeugende) Argumente gegen das Laufband-Training gewesen. Ein Argument dafür gibt es ehrlicherweise auch: Die Anreise zum nächsten Laufband ist vermutlich weniger kompliziert.

E-Mails an: julia.neuhauser@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.05.2019)

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