Genau so, Sommer!

Das war eine richtig gute Sommerwoche.

So muss Sommer sein!
So muss Sommer sein!
So muss Sommer sein! – APA/HELMUT FOHRINGER

Mir sind zwar nach der Hitzewelle tatsächlich ein paar „Aber so kühl muss es im Juli auch wieder nicht sein“-Suderanten begegnet, aber halten wir an dieser gerade so angenehm unheißen Stelle fest: Das war eine richtig gute Sommerwoche. (Den verregneten Freitag rechnen wir großzügig nicht dazu.). Weil: An gnadenlosen Hitzetagen bleiben maximal drei Optionen zur Freizeitgestaltung: Daheim einbunkern bei heruntergelassenen Rollos. In aller Früh ins Freibad fahren. Oder sich als Kurzzeit-Eremit in die Tiefen des Wienerwalds zurückziehen.

An warmen, aber nie heißen Tagen wie in dieser Woche aber geht da viel mehr: Wer mit dem Rad fährt, muss beim Warten an prallbesonnten Kreuzungen nicht mit einem Kreislaufzusammenbruch rechnen wie bei 30 Grad plus plus, sondern wird angenehm gewärmt. Man kann joggen gehen, sich problemlos auch an laueren Abenden vor eine Sommerkinoleinwand setzen (nur halt mit Jacke). Die Menschen sind auch insgesamt etwas besser gelaunt (Wunder darf man sich diesbezüglich in Wien halt nicht erwarten). Und in der U-Bahn – auch in den nicht zwangsparfümierten Wagons – riecht es wesentlich unauffälliger. Im Büro erspart man sich die „Klimaanlage-an/aus-Diskussion“, weil man sie gar nicht braucht. Baden kann man natürlich auch gehen. Zu kühl, sagen Sie? Nachdem ich fast meine gesamte Kindheit in den 1980ern und 1990ern bei genau diesem Wetter im Pammerbad in Graz-Waltendorf verbracht habe, darf ich vermelden: Das geht schon. Wir sind es nur nicht mehr gewöhnt, dass man ein bisschen fröstelt, wenn man aus dem Wasser kommt. (Aber genau dafür ist die Sonne da.) Hatte es in meiner Kindheit einmal 28, ganz selten 29 Grad, waren alle Erziehungsberechtigten in der Siedlung schon nervös: Kann man die Kinder bei der Hitze überhaupt rauslassen?

Würde ich jetzt das piefkinesische „So muss Sommer!“ schreiben, würde ich – zu Recht natürlich – Leserbriefe bekommen. Lassen Sie es mich daher anders formulieren: Genau so, lieber Sommer! Den Regen kannst du aber ruhig weglassen! Bitte, danke.

E-Mails an: mirjam.marits@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.07.2019)

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