Es ist zu heiß für mich in dieser Stadt

Soeben zurück aus dem hitzebedingten Exil, habe ich das große Vergnügen, diese Kolumne als Urlaubsvertretung zu bestreiten.

Die besagte Zufluchtstätte war ein alter Bauernhof am unteren Rand von Niederösterreich, in dem es zuging wie in einem Tierfilm von Sir David Attenborough: Über die Wiese hüpften verwirrte Siebenschläfer; oben am Himmel zog ein Milan ungerührt seine Kreise; unter dem Frühstückstisch vor dem Haus bauten sich Wespen ein Nest; und im Flur versuchte eine ambitionierte Maus mehrere Nächte lang, eine alte Scheibe Toastbrot über die Schwelle zu hieven. Schlussendlich mit Erfolg, doch dieser erwies sich als kurzlebig, denn der alarmierte Vermieter rückte daraufhin mit Fallen an. Sic transit gloria Mausi.

Apropos Nagetiere: Eine unerwünschte Nebenwirkung tropischer Temperaturen, mit der ich zu kämpfen habe, ist die Speicherung von Wasser im Gewebe. Überschreitet die Hitze eine gewisse Schwelle, schwelle ich an und werde bamstig. An besonders schlechten Tagen sehe ich aus wie ein trauriger Hamster mit Fellschwund. Abhilfe schafft in derartigen Fällen nur ein Sprung ins kühle Nass. Doch angesichts der Tatsache, dass die Wassertemperatur in der Alten Donau an der 30-Grad-Marke schrammt, ist die Erfrischung enden wollend. Hinzu kommen diverse Bakterien, die im warmen Wasser gedeihen. Sie stammen aus jener Region des menschlichen Körpers, die ein um vornehme Wortwahl bemühter Ausbildner beim Bundesheer, mit dem ich anno dazumal zu tun hatte, als „Auspuff“ bezeichnete.

Für alle Interessierten liefert die Stadt Wien regelmäßige Updates zur Wasserqualität. Mit diesen Informationen ausgerüstet, kann man jede Grillgesellschaft unterhalten, indem man die Tischgenossen die aktuelle Anzahl der Enterokokken pro 100 ml Badewasser schätzen lässt. Als alternatives Ratespiel bietet sich der Temperaturunterschied zwischen den Messstationen Innere Stadt und Jubiläumswarte. Kleiner Tipp vom Profi: Auf lange Sicht sind es durchschnittlich fünf Grad Celsius.

E-Mails an: michael.laczynski@diepresse.com

 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.08.2019)

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