Es ist immer noch zu heiß für mich in dieser Stadt

Allen Leserinnen und Lesern, die sich nach der Lektüre meiner letzten Kolumne Sorgen ob der Qualität der Wiener Badewässer gemacht haben, möchte ich Entwarnung geben:

Die Situation hat sich in der Zwischenzeit entspannt, und die Stadt Wien vermeldet wieder ausgezeichnete Bedingungen in allen Gewässern. Ich selbst konnte mich als Stammgast des Bundesbads Alte Donau (ich gehöre zum alten Kästchen-Adel) im Lauf dieser Woche mehrmals davon überzeugen. Das Wasser war klar und frisch, die Makrophyten akkurat frisiert und überall tummelten sich die Fische. Seitlich im Schilfgürtel konnte ich sogar eine ältere Dame mit einem Fangnetz erspähen. Ich traute mich nicht zu fragen, nach welcher Beute sie Ausschau hielt. Nach Karpfen vielleicht. Die Dame sah wohlgenährt aus, ihre Versorgungslage durfte also nicht allzu dramatisch gewesen sein.

Apropos wohlgenährt: In den letzten Wochen war viel von einer Mäuseplage im Weinviertel die Rede. Ich habe aber noch nirgendwo von der Kaninchenplage am stadtseitigen Donauufer zwischen Klosterneuburg und Wien gelesen. Es gibt sie aber sehr wohl. Vorgestern Abend bin ich von einem empfehlenswerten Heurigen in Kritzendorf nach Hause zurückgeradelt und musste auf diesem Abschnitt ständig süßen kleinen Kaninchen ausweichen.

Um hämischen Mails vorzubeugen: Nein, ich habe nicht zu viel getrunken. Der Wein, ein Gemischter Satz, war sehr luftig, und ich habe zum Abschluss zwei Mandelecken von Pischinger nachgeschoben. Die wirken bekanntlich Wunder. Außerdem dürfte sich die Sache bereits herumgesprochen haben, denn ich habe auf der Strecke auffallend viele frischverliebte Paare gesehen, die zwischen den hoppelnden Kaninchen lustwandelten. Das Problem mit den Nagern scheint zu sein, dass sie keine natürlichen Feinde fürchten müssen. Vielleicht sollte man einen Trupp älterer Damen an die Donau entsenden.

E-Mails an: michael.laczynski@diepresse.com

 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.08.2019)

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