Startschuss für private Tourismus-Uni

Experten halten sie für notwendig, im Herbst kommt sie: die Modul University.

(c) APA (Herbert Pfarrhofer)

Wien. Der Kahlenberg als Sprungbrett in die internationale Tourismus-Wirtschaft – ein Projekt, das Wirtschaftskammer-Präsidentin Brigitte Jank bereits im Oktober 2004 kurz nach ihrer Bestellung erstmals anvisierte, wird im kommenden Herbst Realität. Erst vor wenigen Tagen stimmte der Akkreditierungsrat zu, somit steht fest: Das neue Bildungsinstitut am Wiener Kahlenberg darf sich „Privatuniversität“ nennen und eröffnet am 1. Oktober.

Die Eckdaten: rund 150 Studenten pro Jahr auf 3300 m Fläche, zwei Ausbildungsgänge namens „Bachelor of Business Administration in Tourism and Hospitality Management“ und „Professional MBA in Tourism Management“ (Master-Programm für Führungskräfte mit universitärem Abschluss). Die Zielgruppe der neuen Uni sind internationale und österreichische Studenten mit hervorragenden Englischkenntnissen und dem passenden finanziellen Hintergrund – ein Studiengang am Kahlenberg kostet rund 25.000 Euro. Geld für Stipendien kommt aber etwa vom saudischen Scheich Al Jaber (der sich 2006 zehn Prozent Anteil am Projekt sicherte) und der Firma MBI International.


Uni-Plätze rasch vergeben

90 Plätze, also 60 Prozent, sind bereits jetzt belegt. „Das ist ein Zeichen dafür, wie groß die Nachfrage nach einer derartigen Institution ist“ so Brigitte Jank, die für die neue Uni ehrgeizige Pläne hegt: Bis spätestens in 10 Jahren soll die Modul University Vienna zu den führenden Privatuniversitäten Europas zählen und vor allem Studenten aus dem asiatischen und arabischen Raum anziehen (eine kleine Werbereise dafür führte Jank bereits im Oktober 2006 nach Shanghai).

Die Notwendigkeit einer akademischen Ausbildungsstätte mit Schwerpunkt Tourismus bestätigt auch Egon Smerald, Tourismus-Experte am Wirtschaftsforschungsinstitut: „Wir brauchen auf jeden Fall gut ausgebildete Leute, die sich über die Zukunft des heimischen Tourismus' Gedanken machen. Da geht es einfach um die Kapazität, Probleme zu lösen“. Als Forschungsschwerpunkt nennt Smerald etwa den Bereich „Nebensaison“: „Wir müssen überlegen, wie wir Touristen abseits der Hauptsaison gewinnen können, speziell im Flachland könnte das besser funktionieren“.

Laut Karl Wöber, WU-Professor und akademischer Leiter der Modul University, wird sich die Forschung (mit vorerst zwölf angestellten Wissenschaftlern) am Kahlenberg vorerst vor allem auf zwei Bereiche konzentrieren:
Nachhaltigkeit: „Wir bemerken eine zunehmende Sensibilität der Touristen für die Themen Umwelt und Nachhaltigkeit“, so Wöber, „aber wir wissen zu wenig über ihr neues Konsumverhalten und können keine Empfehlungen geben“.
Stadt-/Landtourismus: „Oft wissen wir nicht, wo die Grenze zwischen städtischen und ländlichem Tourismus liegt“. Dies wolle man nun erforschen, um Urlauber je nach Umfeld ideal zu betreuen.

IN ZAHLEN

Die Modul University Vienna wird ab Oktober pro Jahr 150 neue Studenten aufnehmen; für das kommende Studienjahr sind bereits 90 Plätze besetzt.

Das Studium am Kahlenberg kostet rund 25.000 Euro.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.07.2007)

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