Abfuhr für Hotel auf dem Flakturm

Projekt. Ein Investor plante ein Vier-Sterne-Hotel mit Star-Architekten im Esterhazypark. Doch die Stadt lehnt ab.

coop himmelb(l)au

WIEN (stu). Bernd Schlacher singt Lobeshymnen über „sein“ Projekt: Ein 4*-Hotel mit 70 bis 80 Zimmer, 20 Suiten, 150 Sitzplätzen im Restaurant samt Wellness-Bereich. So weit so gewöhnlich – wäre es nicht ein außergewöhnlicher Standort, den der Wiener Gastronom Bernd Schlacher („Motto“) samt Investoren ins Auge fasst: den Flakturm im Esterhazy-Park. Dort soll das Hotel direkt auf dem Turm aufgesetzt werden und ein markanter Punkt der Wiener Skyline werden.

Umsetzen könnte das Projekt der internationale Star-Architekt Wolf D. Prix von Coop Himmelb(l)au. Das berichtete jedenfalls die „Kronenzeitung“ am Wochenende begeistert („außergewöhnliches Projekt, ein Berherbergungsbetrieb der Lifestyle und Design unseres Jahrhunderts repräsentiert“). Noch vor wenigen Jahren hatte dieselbe Zeitung mit einer Kampagne den geplanten Leseturm im Museumsquartier mit zu Fall gebracht – weil dieses außergewöhnliche Projekt der Skyline geschadet hätte.

„Wir haben einen Entwurf machen lassen. Es ist uns ernst mit dem Projekt“, erklärt Schlacher am Montag der „Presse“. Nachsatz: „Die Zeit ist reif für moderne, tolle Architektur.“ Der Flakturm müsse sinnvoll genutzt werden.

Schlachers Problem: Bereits 2001 war ein Hotel-Projekt am Flakturm gescheitert. Die Arcotel-Gruppe plante 65 Zimmer samt Aussichtsplattform. Die Bezirks-SP beerdigte das Projekt, obwohl sich Bürgermeister Michael Häupl ein Hotel „sehr gut vorstellen“ konnte. Trotzdem nützte den Betreibern selbst der Gang zum Höchstgericht nichts. Die SP-Rebellin, die als Oppositionspolitikerin 2001 den Hotel-Turm im (damals) VP-regierten Mariahilf zu Fall brachte, heute Bezirksvorsteherin – also keine guten Karten für Schlacher. Und so legt Renate Kaufmann los: „Es hat sich weder an der Flächenwidmung noch an den Gegebenheiten etwas geändert.“ Nachsatz: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass der Bauausschuss anders entscheiden würde als beim damaligen Hotel-Projekt.“ Kaufmanns Kritikpunkte:
•Sorge um den Park.
Bereits durch das damalige, kleinere Hotel-Projekt auf dem Flakturm wäre der Esterhazypark auf ein Minimum reduziert werden, so Kaufmann: „Ein Hotel braucht Zufahrten, Abfahrten, eine Garage und es muss natürlich regelmäßig beliefert werden.“ Nachsatz: „Es würde dann nichts mehr vom Esterhazypark übrig bleiben.“
•Anrainer-Probleme.
Das alte Hotel-Projekt scheiterte vor allem am Widerstand der Anrainer. Der Aufbau am Flakturm hätte zahlreiche Wohnungen in den Schatten gestellt – im wahrsten Sinn des Wortes. Derart verdunkelte Wohnungen dürfen laut Gesetz maximal als Lagerraum, aber nicht als Wohnungen vermietet werden – wegen Gesundheitsgefährdung. „Eine große Anzahl von Anrainern müsste dann aus ihren Wohnungen ausziehen. In einem Lagerraum darf man nicht wohnen“, erklärt Kaufmann.
•Flächenwidmung.
Derzeit steht eine Änderung der Flächenwidmung an. Dafür käme das Projekt zu spät, so MA 21A-Chef Klaus Vatter (Stadtplanung): „Außerdem stimmt das Projekt, so weit ich sehen konnte, in gravierenden Punkten nicht mit gesetzlichen Richtlinien überein.“ Und Planungsstadtrat Rudi Schicker erklärt: „Eine Studie hat vor fünf Jahren ergeben: Großzügigste Überbauungen der Flaktürme sollten nicht gemacht werden.“

FLAKTURM-PLÄNE

Seit Jahrzehnten gibt es immer wieder Vorschläge, wie die Flaktürme genutzt werden können:

Hotel. Zimmer und Hotel-Suiten auf den Esterhazy-Park-Flakturm: Dieser Plan lebt nun wieder auf.

Fischrestaurant. Über dem Haus des Meeres wurde 2001 ein Glaskubus geplant. Die Nutzung: Ein Restaurant für Fischspezialitäten; ein Cafe; ein Veranstaltungsort für Events.

Jugendzentrum oder Proberäume für Jugend-Bands waren 2002 im Gespräch.

Datenspeicher. Der Flakturm im Augartenpark soll als Speicher für vertrauliche Daten (z.B. Banken) dienen. Das Projekt liegt auf Eis.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.10.2007)

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