Design-Hotel und -Möbel am Kanal

Design-Kette „Stilwerk“ zieht in den Nouvel-Turm am Donaukanal; der Name Sofitel-Hotel könnte wieder verschwinden.

(c) AJN Ateliers Jean Nouvel

wien. Einen Erfolg hat Jean Nouvel bereits in der Tasche. Der französische Architekt erhielt den Pritzker-Preis 2008, den Nobelpreis der Architektur. Mit Spannung wird daher die Umsetzung des neuen Uniqa-Towers am städtebaulich sensiblen Donaukanal beobachtet, an dem bereits gebaut wird.

(c) Die Presse / LB
 

 

Passend zu dem exklusiven Stil des Franzosen wird der Nouvel-Tower bei der Schwedenbrücke bespielt. Die oberen Stockwerke hat Hausherr Uniqa für ein 5-Sterne-Hotel reserviert, das von der Accor-Gruppe betrieben werden soll. Die hat nun angekündigt, das Hotel unter dem „Sofitel“-Label zu führen. Fix ist das allerdings nicht, wie die „Presse“ aus vertraulicher Quelle verfährt. Das Profil des Sofitel-Labels soll in Richtung Luxus geschärft werden – nachdem die Accor-Gruppe eher für günstigere Hotels (Ibis etc.) bekannt ist. Zielgruppe sind laut Accor-Gruppe die „Yawns“ (young and wealthy but normal), also Reiche die am Boden geblieben sind, Wert auf Luxus legen, aber nicht abgehoben sind und sachliches Design traditionell pompösen Nobelhotels vorziehen. Im Zuge dieses Brandings könnte auch der Name „Sofitel“ samt dem eingeführten Logo fallen, heißt es in der Branche.


Nobel-Meile fürs Wohnen

Ebenfalls neu: In den ersten vier Stockwerken des Nouvel-Hotels wird die Design-Kette „Stilwerk“ einziehen, die Lifestyle-Accessoires und Wohndesign von internationalen Marken anbietet.

Gerade dieser Mieter wird mit dem Hotel einen Aufschwung in den zweiten Bezirk bringen, meint Handels-Obmann Fritz Aichinger (Wirtschaftskammer Wien). Mit Stilwerk entstehe vom k47 über den Donaukanal bis zum Ring eine Design- und Lifestyle-Meile fürs Wohnen: „Es entsteht etwas Hochwertiges“, meint Aichinger. Im k47 am Schottenring gebe es ein entsprechendes Geschäft; beim Ring nahe des Verkehrsministeriums ebenfalls. „Es reizt künftig, dorthin an den Donaukanal zu fahren“, meint Aichinger: „Dort entsteht etwas Einzigartiges. Für exklusive Möbel ist die Fläche sehr groß.“

Für den zweiten Bezirk bedeutet der Nouvel-Tower noch: „Die Taborstraße und der gesamte Bezirk werden einen Aufschwung erleben“, erklärt Aichinger: „Ein exklusives Design-Hotel passt genau dazu, weil auch der Bezirk durch die U-Bahn-Verlängerung aufgewertet wird.“ Der Nouvel-Bau strahlt aber über den Bezirk hinaus: „Es ist eine Belebung des Donaukanals“, meint der Wirtschaftsexperte: „Das gehört weiter intensiviert.“

Trotzdem: Die 5-Stern-Hotels residieren am Ring. Ist der Donaukanal nicht der falsche Platz? „Es ist der genau richtige Standort“, erklärt Michael Widmann von PKF-hotelexpert, einem führenden Consulting-Unternehmen, das sich auf Hotels spezialisiert hat: „Nehmen wir das Le Meridien und das Radisson Style: Hier wird das Sofitel hineinwachsen – in die Klasse der 4- bis 5-Stern-Hotels.“ Denn in Österreich gebe es eine große Bandbreite, in der sich Hotels als 5-Sterne-Hotel bezeichnen: „Für ein klassisches Haus wäre die Lage am Donaukanal zu schlecht. Aber für diese Klasse ist der Standort sehr gut.“ Die Vorteile: Blick auf die Altstadt; wenige Meter bis in die City; die Positionierung als Design-Hotels.

Was Widmann begeistert: „Es ist nicht nur das Hotel, sondern dass auch Stilwerk einzieht.“ Das Klientel: Menschen mit dem nötigen Kleingeld, die auf der Suche nach den entsprechenden Wohnaccessoires sind, meint Widmann: „Das alleine wird den Donaukanal, das unterschätzte Juwel, aufwerten.“

Von der Zukunft zur Gegenwart: Bisher steht fest, dass der Nouvel-Turm 18 Stockwerke und etwa 80 Meter Höhe erreicht. Das Hotel wird über 200 Zimmer verfügen und 2010 eröffnen.

ZUR PERSON

Jean Nouvel erhält den Pritzker-Preis 2008, den „Nobelpreis“ der Architektur. Am Donaukanal wird nach seinen Plänen der 80 Meter hohe Uniqa-Tower errichtet, in dem ein 5*-Hotel einzieht sowie auf vier Stockwerken ein Lifestyle-Design-Zentrum. In Wien hat Nouvel bereits ein Signal gesetzt – mit dem Gasometer A. [EPA]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.04.2008)

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