„Ich bin nicht der ,Inder‘, sondern Ramesh Nair“

Warum Ramesh Nair nicht mehr U-Bahn fährt, Tarifauskünfte geben muss und sich auf „Dancing Stars“ freut.

Wien.Wie stark Werbung in manchen Fällen bei der Masse ankommt, das bekommt Ramesh Nair derzeit besonders zu spüren. Seit September gibt der Musicaldarsteller im Werbespot von Mobilfunkanbieter tele.ring den sanften und klugen Inder, der die Kunden mit vermeintlich weisen Sprüchen belehrt.

Dass sein Auftritt in den „Frag doch den Inder“-Spots so viel Aufmerksamkeit bekommen würde, damit hat Nair nicht gerechnet, gehofft hat er es aber. Weshalb er so gut wie keine Bedenken hatte, an einem Werbespot mitzumachen, der jene Klischees, die in Österreich über Inder bestehen, stark bedient. „Wer den Spot nicht versteht, der hat das ,twinkle in the eye‘ nicht gesehen.“ Den Spot hätten sogar seine Verwandten im südindischen Kerala verstanden, die er im Dezember mit seiner Mutter besucht hat. „Die haben nur gelacht, weil ich als Hindu einen Turban trage, was nur die Sikhs tun.“

Nair ist indischer Staatsbürger, aber in Deutschland aufgewachsen (weshalb er auch keine indische Sprache spricht) und lebt seit zehn Jahren in Wien. „Ich weiß mehr über das Christentum als über meine Religion, weil ich im deutschen Kindergarten und in deutschen Schulen war“, sagt er. Aber das „Rumindern“, wie er es nennt, beherrscht er perfekt. Nicht erst seit seinem Werbeengagement. Schon bei mehreren Musicalproduktionen trat er in kleineren und größeren Rollen als freundlicher Inder mit starkem Akzent und „wackelnder Kopfbewegung“ auf.

Der Erfolg hat auch seine Schattenseiten. Mit seiner Teilnahme bei der ORF-Show „Dancing Stars“ ab Freitag nächster Woche ist er auf Kritik gestoßen: Der ORF würde damit Schleichwerbung für den Mobilfunkanbieter zulassen. Nair sieht das naturgemäß anders. „Ich bin dort nicht ,der Inder‘, sondern Ramesh Nair.“ Er werde sicher nicht mit „Frag doch den Inder“-Sprüchen auffallen.

Noch etwas hat sich mit Bekanntwerden seiner „Dancing Stars“-Teilnahme verändert: Nair fährt nicht mehr U-Bahn. Weil er dort jetzt ständig erkannt wird. Deshalb chauffiert ihn jetzt ein pakistanischer Taxifahrer von Tanzprobe zu Tanzprobe. Am Sonntag hat in der Volksoper „Guys and Dolls“ Premiere, wofür er die Choreografie entwickelt hat.

Erkannt wird Nair aber nicht nur auf der Straße. Als er kürzlich einen Anzug kaufen war, nahm ihn der Verkäufer beiseite und fragte: „Sagen Sie, die SMS ins Ausland, sind die gratis?“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.02.2009)

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