Hitzesommer sorgte für starke Gletscherrückgänge

Von 92 österreichischen Gletschern sind im Vorjahr 88 zurückgegangen, drei davon um mehr als 100 Meter.

Eisbrücke an der Zunge des Hochjochferners
Eisbrücke an der Zunge des Hochjochferners
Eisbrücke an der Zunge des Hochjochferners – Alpenverein/N. Span

Der Hitzesommer 2015 hat für einen starken Rückgang der österreichischen Gletscher gesorgt. Von den 92 beobachteten Gletschern sind 88 zurückgeschmolzen, drei davon sogar mehr als 100 Meter. Drei Gletscher sind stationär geblieben und einer ist vorgestoßen, teilte Glaziologin Andrea Fischer bei der Präsentation des "Gletscherberichts 2014/15" am Freitag in Innsbruck mit.

Damit sei die Zahl der zurückschmelzenden Gletscher gegenüber dem vorigen Berichtsjahr um zehn Prozent angestiegen. Für das Jahr 2014/15 ergibt sich laut den Messergebnissen der ehrenamtlichen Gletschermesser des Alpenvereins ein mittlerer Längenverlust von 22,6 Metern. Dies liege deutliche über den Werten der Vorjahre. Das letzte Mal seien 2007 und 2003 ähnlich hohe Werte erreicht worden.

Drei Gletscher hat die Hitze im vergangenen Jahr besonders schwer getroffen:

  • Das Horn Kees in den Zillertaler Alpen wurde um 136 Meter kürzer.

  • Der Gepatsch Ferner in den Ötztaler Alpen sei um 121,5 Meter zurückgegangen.

  • Der Taschach Ferner im Pitztal verlor 101 Meter an Länge. 2013/14 habe es im Vergleich dazu keinen Rückgang von über 100 Metern gegeben.

Der Eiskar Gletscher in den Karnischen Alpen, der Grünau Ferner in den Stubaier Alpen und der Wandnischengletscher Roter Knopf in der Schobergruppe blieben stationär. Einzig das Winkl Kees in der Ankogel- Hochalmspitz Gruppe ist um viereinhalb Meter vorgestoßen. Das Schwinden von Österreichs größtem Gletscher, der Pasterze, liege mit einem Verlust von 54,4 Metern in derselben Größenordnung wie in den Vorjahren.

Die Mitteltemperatur der Bergstationen Sonnblick, Säntis und Zugspitze sei von Oktober 2014 bis September 2015 um 2,3 Grad Celsius über dem langjährigen Mittel gelegen. Der November sei sogar um 5,1 Grad Celsius zu warm gewesen, der Juli um 4,9 Grad und der August um vier Grad. Die Abweichung des Jahres 2015 sei damit der höchste Wert seit Beginn der homogenisierten Datenreihen aller drei Stationen im Jahr 1901.

"Lange andauernde Hochdrucklagen und das Ausbleiben sommerlicher Schneefälle, das sind die Zutaten für ein viel zu warmes Messjahr und damit Grund für die aktuellen Gletscherrückgänge", erklärte Fischer. Auf den Gletschern habe zu Beginn des Frühjahrs der Schnee aus dem Herbst gefehlt. Im Hochsommer hätten Kaltlufteinbrüche mit Schneefällen auf den Gletschern gefehlt und auch die nächtliche Abkühlung habe die Schmelze in den extrem warmen Monaten nicht unterbrechen können, so die Glaziologin.

APA

(APA)

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