Schwangere mit Polizeipistole getötet

Ein Beziehungsstreit soll der Auslöser gewesen sein, dass ein Polizist seine schwangere Frau und sein einjähriges Kind getötet hat.

(c) APA/EXPA/DOMINIK ANGERER

Wien/Trofaiach. Ein monatelanger Beziehungsstreit, der eskaliert ist, soll das Motiv für die Bluttat vor einer Woche in Wien gewesen sein. Das erklärte die Polizei am Sonntag und gab Details zu dem Fall bekannt. Demnach hatte der 23-jährige Wiener Polizist zuerst seine schwangere Freundin mit seiner Dienstwaffe erschossen und danach seinen 21 Monate alten Sohn erwürgt. Laut Polizei hat der Beamte die Tat gestanden – über ihn wurde bereits die Untersuchungshaft verhängt, er wurde in eine Justizanstalt überstellt.

Laut dem 23-Jährigen gab es seit Monaten heftige Auseinandersetzungen in der Beziehung. Seine Lebensgefährtin soll ihn körperlich attackiert und in der Wohnung eingesperrt haben, erklärte ein Polizeisprecher. Am vergangenen Sonntag habe er die Beziehung beenden wollen. Es soll deshalb erneut zu einem heftigen Streit gekommen sein, bei dem der Polizist seine Dienstwaffe holte und abdrückte. Danach erwürgte er nach eigenen Angaben seinen Sohn.

 

Leichen in die Steiermark gebracht

Die Bluttat hatte sich laut Polizei bereits am vergangenen Sonntag in der Wohnung des Paars in Wien-Margareten ereignet. Am Tag darauf legte der 23-Jährige die Leichen in sein Auto, erst am Mittwoch brachte er sie in seine Heimatgemeinde Trofaiach in der Steiermark. Nach bisherigem Ermittlungsstand wurde die 25-Jährige mit einem einzigen Schuss aus der Dienstwaffe getötet. Laut Polizei hätte der Beamte die Pistole vom Typ Glock 17 nicht mit nach Hause nehmen dürfen. In der Einvernahme gab er zu, die Pistole bereits in der Vergangenheit, entgegen der Vorschrift, mit nach Hause genommen und in einem Kasten verwahrt zu haben.

Bereits zuvor war bekannt geworden, dass die Polizei am Montag, also einen Tag nach der Tat, in der Wohnung des Paares gewesen war. Nachbarn hatten am Gang und vor dem Lift Blutspuren entdeckt und die Polizei verständigt. Daraufhin öffneten die Beamten am Montag mit der Feuerwehr die Wohnung des Paares – weil eine Nachbarin von der schwangeren Frau erzählt hatte. Der 23-jährige Polizist war zu diesem Zeitpunkt nicht anwesend. Allerdings waren damals in der Wohnung laut Polizei keine offensichtlichen Blutspuren zu sehen. Da es zu diesem Zeitpunkt auch noch keine Hinweise auf ein Verbrechen oder eine offizielle Abgängigkeitsanzeige gab, dokumentierten die Polizisten den Fall und legten eine Meldung an.

Am Abend desselben Tages begab sich der Polizist dann erstmals zu seinen Kollegen in die Polizeiinspektion und behauptete, dass seine 25-jährige Freundin mit dem 21 Monate alten Sohn abgängig sei. Die Beamten fuhren mit dem 23-Jährigen dann noch einmal zum Haus und hielten in der Wohnung und im Keller Nachschau, sagte Polizeisprecher Patrick Maierhofer. Freunde der gebürtigen Kärntnerin hatten bereits am Montag eine große Suchaktion via Facebook initiiert. In der Folge streute der Polizist, der seit 1. Jänner in Wien im Dienst war, falsche Hinweise. Daraufhin wurde die Wohnung des Paares von einem Tatortteam nochmals untersucht, woraufhin Blutspuren gefunden wurden, die der Verdächtige zuvor versucht hatte zu entfernen. (red.)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.10.2016)

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