Welterbe: Keine Auswirkungen im "Präzedenzfall" Dresden

Ein Entzug des Welterbe-Status durch die Unesco, wie er Wien im Zusammenhang mit dem Bauprojekt am Heumarkt droht, hat Dresden schon 2009 ereilt. Dort leiden weder Wirtschaft noch Tourismus.

Blick von der Bergstation der Schwebebahn auf das Dresdner Elbtal mit der Waldschlösschen-Brücke
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Blick von der Bergstation der Schwebebahn auf das Dresdner Elbtal mit der Waldschlösschen-Brücke
Blick von der Bergstation der Schwebebahn auf das Dresdner Elbtal mit der Waldschlösschen-Brücke – (c) imago/Robert Michael (imago stock&people)

Dass die Unesco dem Elbtal bei Dresden 2009 den Status als Weltkulturerbe aberkannt hat, hatte nach offiziellen Angaben keine Auswirkungen. Weder Wirtschaft noch Tourismus hätten darunter gelitten, heißt es. Wien könnte ein ähnlicher Entzug für das historische Zentrum drohen, sollte am sogenannten Heumarkt-Areal ein Hochhaus errichtet werden.

Vor acht Jahren war dem Dresdener Elbtal aufgrund des Baus der Waldschlösschen-Brücke der renommierte Welterbe-Titel durch die Unesco aberkannt worden. Seitens der Stadt Dresden wird dieser Schritt als "bedauerlich" bezeichnet. "Glücklicherweise konnten wir jedoch keine direkten Auswirkungen auf den Tourismus in der Landeshauptstadt erkennen", sagt Bettina Bunge, Geschäftsführerin von Dresden Marketing.

Gästezahlen "kontinuierlich positiv entwickelt"

Im Gegenteil: "Vielmehr haben sich unsere Gästezahlen auch nach 2009 weiter kontinuierlich positiv entwickelt. Zwischen 2009 und 2014 konnten wir eine Steigerung der Gästeankünfte von knapp 40 Prozent verzeichnen. Auch die Übernachtungszahlen sind mit plus 34 Prozent während dieses Zeitraums signifikant gewachsen." Im sächsischen Wirtschaftsministerium heißt es ebenfalls, die Titelaberkennung habe sich "weder wirtschaftlich noch touristisch bemerkbar gemacht".

Dresden hatte den Titel der Unesco verloren, weil es trotz des Einspruchs der internationalen Kulturorganisation den Bau einer Straßenbrücke über die Elbe umsetzte. Die 2013 eröffnete Verbindung würde den "Landschaftsraum des Elbbogens an seiner empfindlichsten Stelle irreversibel in zwei Hälften" teilen, lautete damals die Begründung der Unesco. Laut Stadt Dresden war die sogenannte Waldschlösschen-Brücke dringend notwendig, um den regelmäßigen Verkehrsstaus im Osten der Stadt zu begegnen. Auch könne auf dieser Brücke die Innenstadt umfahren werden, heißt es.

Dresden denkt über Neubewerbung nach

In Dresden denkt man allerdings an eine Neubewerbung, nicht mehr für das Elbtal, sondern für den Stadtteil Dresden-Hellerau. Er war 1909 als erste deutsche Gartenstadt gegründet worden. "Wir sind uns sicher, dass die Unesco-Bewerbung des Fördervereins Weltkulturerbe Hellerau e.V. die Wahrnehmung und die Weiterentwicklung dieses kulturgeschichtlich so bedeutenden Dresdner Stadtteils deutlich erhöht und den Facettenreichtum Dresdens insgesamt noch sichtbarer macht", sagt die Geschäftsführerin von Dresden Marketing, Bunge: "Wir freuen uns deshalb, dass auch der Freistaat Sachsen der neuen Unesco-Bewerbung große Bedeutung beimisst."

(APA)

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