Hitler-Geburtshaus in Braunau steht zum Verkauf

Auch die KZ-Stollen in Gusen suchen einen neuen Besitzer. Die Gedenkstätte beim KZ Mauthausen soll vergrößert werden. Bei den NS-Brückenkopfgebäuden in Linz gibt es noch keine Einigung.

Hitler-Geburtshaus in Braunau
Hitler-Geburtshaus in Braunau
(c) Die Presse (Fabry Clemens)

Die nahe Zukunft von zahlreichen NS-Immobilien in Oberösterreich ist ungewiss: In Braunau steht das Hitler-Geburtshaus zum Verkauf. Die KZ-Stollen in Gusen, das größte Nazi-Bauwerk Österreichs, suchen einen neuen Besitzer, der es einer würdigen Nutzung zuführt und diese vor allem auch bezahlen kann. Rund um das KZ Mauthausen soll eine Gedenklandschaft entstehen.

Im Hitler-Geburtshaus ist derzeit die Lebenshilfe untergebracht, sie zieht aber demnächst aus. Die Frage, was dann mit dem Gebäude, dessen kolportierter Wert bei 2,2 Mio. Euro liegt, geschehen soll, findet bereits international mediale Beachtung. Bürgermeister Gerhard Skiba (SPÖ) wünscht sich ein "Haus des Friedens" für soziale Projekte und Ausstellungen. Damit es nicht in falsche Hände gerät, solle es die Republik kaufen, schlägt er vor. Innenministeriums-Sprecher Rudolf Gollia winkte aber bereits ab.

BIG will Stollenanlage abgeben

Eine andere heiße Kartoffel ist die unterirdische Stollenanlage in St. Georgen an der Gusen, wo zu Kriegsende unter dem Tarnnamen "Bergkristall" Teile der Messerschmitt-Flugzeugproduktion untergebracht waren. Nach Kritik an der teilweisen Verfüllung der baufälligen Gänge hatte die Bundesimmobiliengesellschaft (BIG) im Sommer angeboten, die Anlage ohne Gegenleistung abzugeben - wohl ohne große Hoffnung, tatsächlich einen Interessenten zu finden.

Martha Gammer vom Gedenk-Komitee stößt vor allem sauer auf, das Gusen trotz seinen fast 36.000 Toten kaum in der gesellschaftlichen Wahrnehmung präsent ist. Denn in dem KZ waren zeitweise mehr Menschen interniert als im Hauptlager Mauthausen. Gammer will daher, dass wesentliche Teile der Stollenanlage erhalten und öffentlich zugänglich gemacht werden. Dafür wären aber mindestens drei Mio. Euro nötig.

Innenministerium, BIG, Gemeinde und Gedenk-Komitee haben sich zwar auf ein Nutzungskonzept geeinigt, die finanzielle Frage ist aber offen. Derzeit zeichnet sich als möglicher Kompromiss ab, zumindest ausgewählten Gruppen eingeschränkten Zugang zu ermöglichen. Außerdem soll Gusen im Zuge der Neugestaltung von Mauthausen Teil einer Gedenklandschaft werden. Bis dahin dürfte aber noch viel Zeit - im Innenministerium rechnet man mit zehn Jahren - vergehen.

Größe des KZ Mauthausen sichtbar machen

Eine Einigung gibt es hingegen beim KZ Mauthausen selbst: Die Gedenkstätte wird in eine "Gedenklandschaft" eingebettet, die das größere  Ausmaß der ehemaligen Lagerkomplexes besser zeigt. Federführend bei der Erstellung des Konzeptes war Barbara Schätz, Leiterin der Abteilung für Gedenkstätten und Kriegsgräberfürsorge im Innenministerium.

Dass zwischen 1938 und 1945 rund 200.000 Menschen in dem Lagerkomplex gefangen gehalten und 100.000 von ihnen ermordet wurden, ist für viele Besucher angesichts der eher geringen Größe der Gedenkstätte schwer fassbar. Nicht selten ernten Lehrer zweifelnde Blicke von ihren Schülern. Denn was heute unter "KZ Mauthausen" bekannt ist, war in Wirklichkeit ein ganzes Netzwerk von Lagern. Von den mehr als 84.000 Häftlingen, die im März 1945 angetroffen wurden, befanden sich 65.000 im Zweiglager Gusen oder einem der rund 40 Außenlager.

Nicht zuletzt deshalb ist das Sichtbarmachen der ursprünglichen Lagergrenzen ein wichtiges Anliegen bei der Neugestaltung. Dabei will man auf jede Art der Rekonstruktion verzichten, sondern durch "zurückhaltende landschaftsgestalterische Maßnahmen" die damaligen Ausmaße lesbar machen. Ein Gestaltungswettbewerb dafür ist geplant.

Linz streitet über Brückenkopfgebäude

In Linz hat sich mittlerweile eine hitzige Diskussion an der Frage entzündet, wie schützenswert NS-Bauten generell sind. Der wahrscheinlich größte Stein des Anstoßes ist der geplante Umbau der Brückenkopfgebäude, in denen die Kunstuniversität untergebracht ist. Unbewältigte Probleme sind dabei 17 Mio. Euro Investitionskosten und die Frage des Denkmalschutzes. Die Stadt, die Hitler zu einer NS-Kulturmetropole machen wollte, sei unter allen österreichischen Städten hier wohl am stärksten betroffen, meint Historikerin Heidemarie Uhl von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften.

In Berlin beispielsweise habe man sich mit dem Projekt "Topographie des Terrors", das durch die Schaltstellen der Macht des "Dritten Reichs" führt, an die Aufarbeitung der Geschichte gemacht, schildert Uhl ein internationales Beispiel. Aber auch in Oberösterreich gebe es Vorbilder wie etwa das Schloss Hartheim bei Alkoven: In der ehemaligen NS-Euthanasieanstalt, in der nahezu 30.000 Menschen ermordet wurden, ist unter anderem die Ausstellung "Wert des Lebens" untergebracht. Neben dem Gedenken und der Aufarbeitung wird dort auch der heutige Umgang der Gesellschaft mit beeinträchtigten Menschen thematisiert.

(APA)

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