"Der ländliche Raum wird älter"

Der ADEG Dorfleben-Report zeigt, dass neun von zehn Dorfbewohner mit der Lebensqualität am Land zufrieden sind. Dennoch zieht es viele junge Menschen in die Stadt.

DEU Deutschland Laichingen 15 08 2017 Getreideernte auf der Schwaebische Alb Ein Maehdrescher b
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DEU Deutschland Laichingen 15 08 2017 Getreideernte auf der Schwaebische Alb Ein Maehdrescher b
ADEG-Studie: Die Lebensqualität am Land ist gut. – imago/Arnulf Hettrich

Neun von zehn Dorfbewohnern sind mit der Lebensqualität am Land zufrieden. Natur, Ruhe und Gemeinschaft sind für sie die größten Vorteile, negativ bewertet wurden hingegen Infrastruktur und der Mangel an Arbeitsplätzen. Das geht aus dem ADEG Dorfleben-Report hervor, der am Montag bei einer Pressekonferenz in Wien präsentiert wurde.

Knapp 40 Prozent der österreichischen Bevölkerung leben in Gemeinden mit weniger als 5.000 Einwohnern. Für den Report waren 1.050 von ihnen befragt worden. Politikwissenschafter Peter Filzmaier interpretierte die Ergebnisse so: "Der ländliche Raum stirbt zwar nicht aus, aber er wird älter". In einzelnen Bezirken werde sich bis 2050 die Zahl der über 60-Jährigen verdoppeln. 18 Prozent der 16- bis 29-Jährigen plane hingegen, in den nächsten fünf Jahren in die Stadt zu ziehen. Um die jungen Leute am Land zu halten, müssten daher Dorfkerne und Begegnungszonen erhalten und gefördert werden. "Es geht außerdem um gezielte Ansiedlung und den Kampf gegen Absiedlung der Betriebe", forderte Filzmaier.

"Kaufmann belebt Ortskern"

Nahversorger spielen laut dem ADEG Dorfleben-Report eine wichtige Rolle für belebte Ortskerne. Sie übernehmen immer mehr Zusatzfunktionen wie Bargeld- und Postservice. Kaufmänner betreiben auch Cafes und bieten Hauszustellungen, Caterings oder Tagesmenüs an. "Der Report hat ergeben, dass ein Unterschied wahrnehmbar ist, ob es einen selbstständigen Kaufmann im Dorf gibt oder nicht. Er sorgt dafür, dass der Ortskern belebt bleibt", sagte ADEG Vorstandsvorsitzende Alexandra Draxler-Zima. Für 75 Prozent der Dorfbewohner sei der Nahversorger ein wichtiger Treffpunkt in der Gemeinde. "Auch der bekannte Trend zur Regionalität hat seine Bestätigung gefunden." 76 Prozent seien bereit, für lokale Lebensmittel mehr zu bezahlen.

Gemeindebund-Präsident Alfred Riedl lobte, dass acht von zehn Dorfbewohnern entweder Mitglieder in einem Verein sind oder sich ehrenamtlich engagieren. Mit den freiwilligen Leistungen der Rettung und der Feuerwehr trage sich der ländliche Raum selbst. "In Tirol erbringen die Freiwilligen umgerechnet über eine Milliarde Euro an Leistungen, die sonst der Steuerzahler zu leisten hätte", sagte Riedl.

(APA)

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