In Österreich fehlen Erntehelfer, Essiggurken in Gefahr

Auf Österreichs Feldern gibt es zu wenig Erntehelfer. Saisonarbeitskräfte gehen wegen höherer Löhne lieber nach Deutschland. Das Gemüse bleibt liegen.

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Archivbild – Die Presse

Um Österreichs Essiggurken ist es schlecht bestellt. Sie wachsen zwar, aber bleiben auf den Feldern liegen. Denn die Erntehelfer bleiben aus. In Landwirtschaftsbetrieben in ganz Österreich herrscht derzeit ein Mangel an Arbeitskräften.

Zwei seiner Landwirte hätten bereits aufgehört, erzählt Klaus Hraby, Geschäftsführer von Efko. Rund 250 Arbeitskräfte fehlen allein in den Betrieben, die den oberösterreichischen Gemüsehersteller beliefern. "Wir bekommen heuer 1000 Tonnen Gurken weniger. Das ist um rund 15 Prozent weniger als wir gerne hätten", sagt Hraby. Er befürchtet, dass sich die Situation im nächsten Jahr noch verschlimmern wird: "Die Ernte heuer ist unter Druck. Nächstes Jahr ist sie in Gefahr."

Mehr Geld in Deutschland

Die meisten Saisonarbeiter und Erntehelfer kommen aus Osteuropa. Jedes Jahr bewilligt das Sozialministerium ein Kontingent an Saisonarbeitskräften aus Staaten, die nicht zur EU gehören. Das Problem: Das Kontingent wird jedes Jahr kleiner, denn EU-Bürger sollen bei der Vergabe an Arbeitsplätzen bevorzugt werden. In diesem Jahr wurden 2510 Arbeitskräfte bewilligt. Um mindestens 700 zu wenig, wie die Landwirtschaftskammer Österreich bereits im März vorrechnete.

Doch auch die EU-Bürger aus Rumänien, Bulgarien oder Kroatien, die bisher in Österreich bei der Ernte halfen, gehen mittlerweile lieber nach Deutschland. Dort bekommt ein Erntehelfer auf einem Spargelfeld etwa neun Euro pro Stunde. In Niederösterreich sind es 6,3 Euro. Denn die deutschen Bauern müssen für die Erntehelfer keine Abgaben für Urlaub, Versicherung oder 13. und 14. Gehalt zahlen. Das ergibt im Vergleich zu Österreich höhere Nettolöhne. Für Efko-Chef Hraby ein Modell, dass er gerne übernehmen würde: „Man braucht das Rad nicht neu zu erfinden.“

Auch Weinbau betroffen

In Oberösterreich sind es die Essiggurken, in Tirol die Äpfel, in Niederösterreich der Spargel, die Erdbeeren und der Wein. Überall dort, wo es viele Hände braucht, sind Landwirtschaftsbetriebe unter Druck. Im Marchfeld ist das gerade ganz besonders zu spüren. Ein Fünftel der Spargelernte kann dort nicht eingeholt werden, da die Erntehelfer fehlen. „Jeder Betrieb hat zu wenig Arbeiter, wir kommen nicht nach“, erklärt Gerhard Sulzmann, Geschäftsführer des Vereins Genussregion Marchfeldspargel.

Dass es zu einer Spargelknappheit im Supermarkt kommen wird, ist trotzdem nicht zu erwarten. Das für die Jahreszeit ungewöhnlich warme Wetter habe nämlich zu einem massiven Spargelwachstum beigetragen, meint Sulzmann. „Seit 40 Jahren hatten wir noch nie so viel Spargel zu ernten. Das ist drei- oder viermal so viel wie sonst.“

 

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