Sind österreichische Sprachprüfer korrupt?

Bei Sprachprüfungen durch den Integrationsfonds sollen Prüfer bestochen worden sein.

Symbolbild Deutschkurs
Symbolbild Deutschkurs
Symbolbild Deutschkurs – imago/Dünhölter SportPresseFoto

Linz. Eine 54-jährige Frau muss sich morgen, Freitag, vor dem Landesgericht Linz verantworten. Sie soll als Kandidatin bei einer durch den österreichischen Integrationsfonds organisierten Sprachprüfung die Prüferin bestochen haben.

Die Beschuldigte soll der Frau 400 Euro gegeben und dafür im Jänner 2016 einige Prüfungsfragen mitgeteilt bekommen haben. Die 54-Jährige ist wegen Bestechung und Urkundenunterdrückung angeklagt.

Die für diese Sprachprüfungen zertifizierte Prüferin soll zudem falsche Angaben im Multiple-Choice-Test korrigiert und der nunmehrigen Angeklagten die Gelegenheit gegeben haben, einen Text unter ihrer Anleitung neu zu verfassen. Die Beschuldigte bestreitet die Vorwürfe im Grunde nicht, behauptet aber, dass ihr die Prüferin unentgeltlich geholfen habe. Für den Vorwurf der Bestechung und Urkundenunterdrückung drohen der 54-Jährigen bis zu drei Jahre Freiheitsstrafe. Die verdächtige Lehrerin bzw. Prüferin wird in einem eigenen Verfahren verfolgt.

Laut Landesgericht Linz zeigte das Stadtpolizeikommando Linz mehr als 110 solcher Fälle an. Offenbar wurden Kandidaten aus ganz Österreich zu diesen Sprachprüfungen nach Linz vermittelt. Betroffen sind mehrere Prüfer. Ihnen drohen ebenfalls Anklagen.

 

Keine Asylwerber betroffen

Der Integrationsfonds (ÖIF) erklärte, es seien keine gefälschten Prüfzertifikate mehr im Umlauf. Laut Integrationslandesrat Rudi Anschober (Grüne) seien nach bisherigem Informationsstand keine Asylwerber betroffen. Auch seien keine Förderungen seitens des Integrationsressorts ausbezahltworden.

Betroffen seien niedergelassene Fremde mit einem Aufenthaltstitel, die die Staatsbürgerschaft oder ein Daueraufenthaltsrecht erlangen wollen.

Anschober: „Zur restlosen Aufklärung habe ich den ÖIF zum Gespräch geladen, um Wiederholungen ausschließen zu können.“ Manipulationsmöglichkeiten dürfe es künftig nicht mehr geben. (APA)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.03.2019)

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