Feiern mit Joints statt Drinks

Laut Studie betrinken sich Schüler seltener, kiffen mehr – und mobben einander weniger.

Symbolbild.
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Symbolbild. – (c) Getty Images (gilaxia)

Wien. Sie sind faul, hängen nur an Smartphones, trinken zu viel Alkohol, essen zu gern Fast Food und viel zu viele Jugendliche mobben sich gegenseitig? Manches stimmt wohl, aber so gern man sich auch seit jeher über „die Jugend“ und darüber, wie sie denn verkomme, mokiert, derzeit gibt es offenbar nicht so viele Gründe dafür.

Zumindest ortet eine Studie über die Gesundheit österreichischer Schüler, die das Sozialministerium veröffentlicht hat, mehr positive Entwicklungen als negative. So sind in den vergangenen acht Jahren die Zahl der Nichtraucher gestiegen und der Alkoholkonsum der Jugendlichen zurückgegangen. Dafür konsumieren mehr Schüler Cannabis, auch die Zahl Übergewichtiger steigt.

Die Presse/GK

Die internationale Studie „Health Behaviour of School-aged Children“ (HBSC) wird seit mehr als 30 Jahren alle vier Jahre in Österreich durchgeführt. Für die aktuelle Studie wurden im Jahr 2018 Schüler der 5., 7., 9. und 11. Schulstufe (also vor allem 1. und 3. Klasse AHS-Unterstufe bzw. Neue Mittelschule sowie 5. und 7. Klasse AHS bzw. 1. und 3. Klasse berufsbildende mittlere und höhere Schulen) befragt.

 

Viel Zweifel am eigenen Körper

Das Ergebnis: Seit 2010 ist der Anteil der übergewichtigen oder adipösen Schüler gestiegen. Bei Burschen ist Übergewicht weiter verbreitet als bei Mädchen (siehe Grafik). Dabei essen Schüler mehr Gemüse und nehmen weniger Süßigkeiten und süße Limonaden zu sich. Allerdings aßen laut Studie 20 Prozent aller Schüler mehrmals wöchentlich stark fetthaltige und hochkalorische Speisen wie Kebab, Burger oder Pizza. Nur die Hälfte aller Schüler hat ein positives Körperselbstbild. 35 Prozent meinen, sie seien zu dick.

Wenig Veränderung hat es beim Sport gegeben: Burschen sind im Schnitt 4,5 Tage und Mädchen 3,5 Tage pro Woche mindestens eine Stunde täglich aktiv. Viel mehr Zeit aber wird am Handy verbracht: Jedes vierte Mädchen und jeder fünfte Bursch sitzt oder liegt täglich mehr als fünf Stunden mit dem Smartphone in der Hand herum.

Der Anteil der Nichtraucher (nur 9. und 11. Schulstufe) hat bei Burschen und bei Mädchen zugenommen. Alkohol spielt (in der 9. und 11. Schulstufe) eine kleinere Rolle als das noch bei Gleichaltrigen im Jahr 2010 der Fall war. Vor allem bei Burschen steigt dagegen der Cannabiskonsum, bei Mädchen blieb dieser Wert konstant bei sechs Prozent.

 

Mehr leiden unter der Schule

Die Zahl an Mobbing-Opfern und -Tätern ist seit 2010 stark gesunken: Vor allem bei Burschen hat sich der Anteil derer, die angaben, Opfer von Mobbing zu sein, klar verringert. Als Mobbing-Täter bezeichneten sich 2010 noch 26 Prozent der Burschen und zehn Prozent der Mädchen, acht Jahre später waren es nur noch sieben bzw. drei Prozent.

Angestiegen ist der Anteil jener Schüler, die sich ziemlich oder sehr stark durch die schulischen Anforderungen belastet fühlen: Bei den Burschen waren dies 2010 noch 22 Prozent, 2018 bereits 27 Prozent, bei den Mädchen stieg dieser Anteil von 25 auf 34 Prozent. Praktisch unverändert gefällt es rund 30 Prozent der Schüler „sehr gut“ in der Schule.

Weitere Ergebnisse zeigen, dass zwölf Prozent der Burschen und 24 Prozent der Mädchen Anzeichen einer depressiven Verstimmung zeigen. 21 Prozent (ab 9. Schulstufe) gaben an, E-Zigaretten und/oder Wasserpfeifen zu konsumieren. Und laut Studie hatten 30 Prozent ab der 9. Schulstufe Geschlechtsverkehr.
(APA/cim)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.07.2019)

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