Rauchverbot in Kraft: (K)ein Tag wie jeder andere

Seit gestern ist das neue Tabakgesetz in Kraft. Die meisten Wirte haben eine Lösung für ihr Lokal gefunden. Einige Wiener Kaffeehäuser wollen trotzdem das Rauchen erlauben – mit einer Ausnahmeregelung.

Rauchverbot Kraft ndash kein
Rauchverbot Kraft ndash kein
(c) Die Presse (ClemensFabry)

WIEN. An diesen Anblick muss man sich auch erst gewöhnen. Beim Betreten des opulenten Raumes des Café Central in der Wiener Herrengasse weht den Gästen künftig keine Rauchwolke mehr entgegen. Das Café Central ist nun rauchfrei.

Gestern, Donnerstag, war Tag eins nach Auslaufen der Übergangsfrist zum neuen Tabakgesetz. Auf den ersten Blick hat sich aber nicht viel geändert. Viele Cafés und Restaurants haben einen Schanigarten, wo geraucht wird; bei gutem Wetter würden die meisten Gäste auch ohne das neue Tabakgesetz draußen sitzen.

So auch im Café Central: Während die Stammgäste draußen im Schanigarten eine Zigarette zum Kaffee rauchen, sitzen drinnen eine große Gruppe amerikanischer und eine kleine Gruppe asiatischer Touristen. „Viele Touristen haben in ihrer Heimat ein strengeres Rauchergesetz“, weiß Oberkellner Andreas Pollak. Und was die Stammgäste betrifft: „Da werden wir sicherlich einige verlieren. Aber man muss abwarten, wie sich alles entwickelt.“

„Es ist alles so wie gestern“, sagt indessen der gut gelaunte Kellner Stefan Hauer im Café Korb in der Brandstätte, während er Kaffeetassen durch den leeren Raum trägt. Denn auch hier sitzen die meisten Gäste draußen. Besitzerin Susanne Widl hat ihre „eigene Lösung“ in Sachen Tabakgesetz gefunden. Im Eingangs- und Hauptraum darf auch weiterhin geraucht werden: „Bei mir werden die Aschenbecher stehen bleiben.“ Dafür hat sie in der unteren Etage eine „Nichtraucherlounge“ mit einer kleinen Bühne und einem alten Klavier eingerichtet. Dort sollen künftig auch die Veranstaltungen stattfinden. Mehr als 160.000 Euro habe sie in die Einrichtung („Haben Künstler gestaltet“) und Klimaanlage investiert und dafür keine Förderungen bekommen. Mit dem neuen Tabakgesetz zeigt sich Widl daher nicht sehr glücklich. Die Kaffeehaustradition gehe verloren, meint sie. Und: „Man kann ein Publikum nicht entmündigen. Die Nichtraucher können ja zu Starbucks gehen.“

 

Denkmalschutz als Ausweg

Etwas gewöhnungsbedürftig ist auch der Anblick im Café Rüdigerhof im fünften Bezirk. Wo früher gern und oft geraucht wurde, herrscht nun absolutes Rauchverbot. Zwar sitzen alle Gäste draußen im schattigen Garten; für drinnen werde man sich noch eine Lösung überlegen, erzählt die Kellnerin im Vorbeigehen. Das 1902 errichtete Jugendstilhaus ist denkmalgeschützt, Umbauten sind daher nicht erlaubt oder schwer umzusetzen – weshalb die Wirte mit einer Ausnahmeregelung weiterhin das Rauchen erlauben können. Für das Café Rüdigerhof und viele andere Kaffeehäuser in Wien scheint dies nun die Notlösung zu sein. Rainer Staub vom (ebenfalls denkmalgeschützten) Café Sperl in der Gumpendorfer Straße habe von dieser Ausnahmeregelung erst aus den Medien erfahren. Nun werde er „alles in Bewegung setzen, dass man im Winter drinnen rauchen kann“. Im Café Sperl beginnt die rauchfreie Zeit übrigens erst heute, Freitag. Gestern wurde hier noch der neue Sigmund-Freud-Film „A Dangerous Method“ gedreht.

Auch das Café Tirolerhof ist denkmalgeschützt. Die Betreiber haben trotzdem eine Trennwand einbauen lassen, ein Tischler hat die gläserne Schwingtür maßgefertigt. Mit dieser Lösung scheinen im Tirolerhof alle zufrieden zu sein. Die Raucher sitzen in der hinteren Ecke des Lokals im kleineren Raum, sind aber durch die Glastür nicht völlig außer Sichtweite. „Es ist trotzdem ungewohnt“, fasst Kellner Klaus Fabits seinen ersten (fast) rauchfreien Arbeitstag zusammen.

Dicke Luft herrscht im Irish Pub Shamrock in der Kirchengasse in Neubau, allerdings nicht wegen Zigarettenrauches. Man habe eine Glastür einbauen lassen, um den Raucherbereich abzutrennen, erzählt Kellner Philipp Ebner. Später sei den Betreibern bei einem Lokalaugenschein gesagt worden, dass die Lüftung des gesamten Pubs nicht gut sei. „Deswegen sind wir jetzt ein Nichtraucherlokal“, meint Ebner, „und haben umsonst investiert“.

 

Gratis Zigaretten für alle

Solche Investitionen sind Stefan Camus erspart geblieben – sein Café Krügerl in Wiener Neustadt ist kleiner als 50 Quadratmeter. Aus „Solidarität“ mit seinen Kollegen, die umbauen mussten, lautete gestern bei ihm das Motto „Mit uns nicht“. Camus hat jedem Gast eine Zigarette geschenkt. „Jeder Gastronom sollte selbst entscheiden, ob er ein Raucher- oder Nichtraucherlokal führt“, meint Camus. Gesundheitsminister Alois Stöger (SPÖ) kontert: „Die Gastronomen müssen sich an den von ihnen forcierten Kompromiss halten – ohne Wenn und Aber.“

(c) APA

AUF EINEN BLICK

Tabakgesetz. Seit gestern, Donnerstag, ist das neue Tabakgesetz in Kraft. In allen Lokalen, die mehr als 50 Quadratmeter groß sind, müssen die Raucher- und Nichtraucherbereiche getrennt sein. Ausnahme: Lokale in denkmalgeschützten Gebäuden. Die Länder sind für die Kontrollen zuständig; kontrolliert wird nur nach Anzeigen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.07.2010)

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