Wiener Michaelergruft: Restaurierung startet

Vorerst werden 50 Särge konserviert, die Kosten liegen bei mehr als 500.000 Euro. Wie es nach dem Projekt weitergeht, ist unklar – schließlich gibt es in der Gruft insgesamt rund 200 kulturhistorisch bedeutende Särge.

(c) REUTERS (HERWIG PRAMMER)

WIEN (eko). Es ist ein vorübergehender Auszug aus der Stadt der Toten – 50 Särge wandern aus der Wiener Michaelergruft in eine Restaurationswerkstatt. Gestern, Montag, fiel der offizielle Startschuss für das Projekt, das die kulturhistorisch bedeutenden Holzsärge vor dem Verfall retten soll.

Dabei ist dieser Schritt schon die zweite Etappe der Rettung. Denn bevor man darangehen konnte, die einzelnen Särge mit ihren kunstvollen Bemalungen zu restaurieren, musste erst das Raumklima der Gruft stabilisiert werden – es war zu feucht und zu warm, was zur Ausbreitung von Schimmel führte und auch dem australischen Rüsselkäfer gute Bedingungen bot. Mit der Öffnung der im 20.Jahrhundert geschlossenen Lüftungskanäle der Gruft und einer Kühlanlage gelang es sukzessive, das Raumklima wieder zu verbessern.

Schließlich war die Gruft so weit stabilisiert, dass man nun auch mit der Restaurierung der einzelnen Särge beginnen konnte. Ziel dabei ist allerdings nicht die Rückführung in den ursprünglichen Zustand, sondern lediglich die Sanierung des Status quo.

In der Werkstätte von Restaurator Thomas Frankl geht es nun darum, die Holzsärge von Schimmel zu reinigen, die Substanz zu erhalten und die Bemalungen und Beschläge zu konservieren. Danach werden die Särge wieder in die Gruft gebracht. Die in den Särgen befindlichen sterblichen Überreste wurden zuvor in andere Särge umgebettet. Sobald die Originalsärge restauriert und wieder in der Gruft sind, werden in ihnen auch die mumifizierten Leichname wieder ihren Platz finden.

Mehr als 500.000 Euro soll die Restaurierung der 50 barocken Särge kosten. 150.000 Euro davon übernimmt die Stadt Wien über den Altstadterhaltungsfonds, je 120.000 Euro kommen vom Bund beziehungsweise von der Erzdiözese Wien. Den Rest muss die Pfarre St.Michael selbst tragen. Wie es nach dem Projekt weitergeht, ist noch unklar – schließlich gibt es in der Gruft insgesamt rund 200 kulturhistorisch bedeutende Särge. Und die Finanzierung dafür ist noch alles andere als gesichert.

 

Kleidung der Mumien

Geht es nach dem Willen der Denkmalschützer, wäre auch noch die Kleidung der mumifizierten Leichname erhaltungswürdig und kulturhistorisch bedeutsam. Ein Experte hat zuletzt erste Analysen an den Textilien durchgeführt. „Aber bei den Trachten“, so Wiens Landeskonservator Friedrich Dahm, „stehen wir noch ganz am Anfang.“

www.michaelerkirche.at

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.07.2010)

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