Lainzer Tunnel: Hunderte Anrainer geschädigt

Laut ÖBB gibt es „250 bis 300“ gemeldete Schäden, die mit dem Bau des Tunnels zu tun haben sollen. Gutachter sind nun permanent im Einsatz, um die behaupteten Zerstörungen durch den Bau aufzunehmen und zu bewerten.

(c) ÖBB

Wien. Das Verhältnis der Wiener zum Lainzer Tunnel hatte schon immer zwei Seiten: Während sich die einen durch die unterirdische Verbindung zwischen West- und Südbahn eine Entlastung der oberirdischen (und damit lauten) Verbindungsbahn erhofften, sahen die anderen in dem Großprojekt vor allem eine Bedrohung für ihr Eigentum. Die Arbeiten, so hieß es, könnten zu gefährlichen Setzungen im Erdreich und damit Schäden an Häusern und Infrastruktur an der Oberfläche führen. Die Sorgen waren nicht unbegründet.

„250 bis 300 Schadensmeldungen“ gingen inzwischen bei der ÖBB-Tochter Hochleistungsstrecken AG (HL-AG) ein, bestätigt Projektleiter Wolfgang Pistauer. Gutachter sind nun permanent im Einsatz, um die behaupteten Zerstörungen durch den Bau aufzunehmen und zu bewerten.

Die Betonung der Bahn liegt dabei auf behauptet. Tatsächlich befinden sich unter den Meldungen auch Schäden, die – zumindest laut Gutachtern – gar nichts mit den Tunnelarbeiten zu tun haben. Wollten sich Hausbesitzer gar auf Kosten der Bahn (und damit auch aller Steuerzahler) bestehende Mängel an ihren Immobilien reparieren lassen?

 

Eröffnung: Dezember 2012

Die HL-AG will das nicht kommentieren, hält jedoch fest, dass es auch genügend von Gutachtern anerkannte Schäden gebe. Die meisten von ihnen betreffen Setzungen aufgrund des abgesenkten Grundwasserspiegels. Die Folgen: Risse in Mauern und Fundamenten, Fenster die nicht mehr aufgehen und Türen, die sich nicht mehr schließen lassen.

Die ÖBB rechnen damit, dass in Summe Schäden in der Höhe von 700.000 bis einer Million Euro zu bezahlen sind.

Im Vergleich zu den Gesamtbaukosten von 1,3 Milliarden Euro ein kleiner Betrag.

Seit Beginn 2010 läuft der Innenausbau der Röhre unter dem Tiergarten. Dabei werden Oberleitungen, Schienen und das Sicherheitssystem installiert. Die Inbetriebnahme wird laut Bahn pünktlich und wie geplant zum Fahrplanwechsel im Dezember 2012 erfolgen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.08.2010)

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