"Mischkonsum" von Drogen und Alkohol tötet

92 Prozent der Drogentodesfälle in Österreich sind auf eine Mischung von Alkohol, Medikamenten und Opiaten zurückzuführen. Die Gesamtzahl der Todesfälle ist mit 170 stabil bis leicht rückläufig.

(c) dapd (Polizei Straubing)

Die Zahl der Drogentoten ist in Österreich stabil bis leicht rückläufig. Das ist das Ergebnis des Österreichischen Drogenberichts 2011. Bestätigt sind 170 Todesfälle akut durch Drogenkonsum, bei 17 Verdachtsfällen wurde keine Obduktion durchgeführt. Im Jahr davor waren es 187 bestätigte und 19 nicht obduzierte Fälle. Ein Drittel der jungen Erwachsenen hat Erfahrungen mit Cannabis, zwei bis vier Prozent haben Ecstasy, Kokain und Amphetamine probiert. "In den letzten Jahren wurde beim Probier- und Experimentierkonsum eine Verbreiterung des Substanzspektrums festgestellt", heißt es in dem Bericht.

Doch genau dieser Drogenmix wird vielen Konsumenten zum tödlichen Verhängnis: 92 Prozent der toxikologisch analysierten Todesfälle waren auf ein oder mehrere Suchtgifte inklusive Opiate in Verbindung mit Alkohol und/oder Medikamenten zurückzuführen. Das Durchschnittsalter der Opfer betrug im vergangenen Jahr 32,4 Jahre, der aussagekräftigere "mediane" Wert (50 Prozent darüber, 50 Prozent darunter) lag bei 29 Jahren (2006: 24,6; 2009: 29,2). 18 Prozent der Drogentoten waren Frauen.

Durch "Drogenkarrieren" krank

Drogensüchtige sind nicht allein "abhängig", sondern haben zu einem hohen Prozentsatz auch psychische und physische Erkrankungen. Die Drogentoten sind offenbar zum größten Teil Personen, die durch lange "Drogenkarrieren" krank geworden sind. So stellten die Gerichtsmediziner bei 72 Prozent Leberschäden, bei 66 Prozent Herzschäden und bei 50 Prozent Lungenerkrankungen fest.

Der Drogentod geschieht in Österreich in den meisten Fällen nicht im öffentlichen Raum, heißt es im Drogenbericht. "Bereits die erste Analyse im Jahr 2005 zeigte, dass die Mehrheit der Personen in einer Wohnung verstarb. Dies setzte sich auch 2010 fort (73 Prozent). In Hotels, Jugendherbergen oder Notunterkünften, wie Männerheimen, verstarben drei Prozent. (...) Dies kann dahingehend interpretiert werden, dass ein Großteil des hochriskanten Drogenkonsums im (scheinbar) geschützten privaten Rahmen stattfindet, was aber möglicherweise das Ausbleiben von rascher Hilfe bei Intoxikationen nach sich zieht."

Fehlende Arztpraxen für Substitutionstherapie

Positiv erwähnt wird in dem Bericht der Erfolg der Substitutionstherapie bei problematischem intravenösem Konsum. Von 4604 Patienten im Jahr 2001 stieg in den vergangenen zehn Jahren die Zahl auf 14.962 Personen in Therapie. Probleme gibt es mit der Versorgung auf dem Land: "So hat die Anzahl der niedergelassenen und zur Substitutionsbehandlung berechtigen Ärztinnen und Ärzte in manchen Regionen weiterhin abgenommen. In Niederösterreicher z.B. praktizieren von ca. 305 nur mehr 50." In Tirol, Salzburg, Kärnten, Steiermark, Niederösterreich und Oberösterreich gebe es noch immer Bezirke, in denen kein niedergelassener Kassenarzt zu einer Substitutionsbehandlung berechtigt sei.

(APA/Red.)

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