Skigebiete: Das lange Warten auf den Winter

Abermals müssen viele Skigebiete wegen Schneemangels den geplanten Saisonstart verschieben. Auch für die kommenden Wochen ist kaum Schnee in Sicht. In den Skiorten sieht man das allerdings - noch - gelassen.

Symbolbild
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(c) REUTERS (CHRISTIAN HARTMANN)

Wien. In Sölden laufen die Schneekanonen seit Tagen ohne Pause. Am Freitag wurde das Wintersportgebiet Giggijoch eröffnet, am Montag und Dienstag will Sölden die Saison mit zwei Skirennen einläuten. Unzählige heimische Lifte und Gondeln stehen dieser Tage aber noch still, die Hänge sind herbstlich aper. Selbst der Alpine Ski-Weltcup musste aus den Alpen nach Nordamerika ausweichen. Dorthin werden die Zuschauer am Wochenende voll Neid blicken. Denn in etlichen heimischen Wintersportgebieten kann die Saison noch immer nicht beginnen.

1 Welche Skigebiete müssen den Start nochmals verschieben?

Saalbach-Hinterglemm musste das für dieses Wochenende geplante große Skiopening mangels Schnee absagen. In der Salzburger Sportwelt hofft man derzeit, dass ab 7. oder 8. Dezember der Großteil der Lifte in Betrieb gehen kann. Ebenfalls am Marienfeiertag soll in Tirol der Betrieb in der Zillertal-Arena, in Hochfügen und in den Osttiroler Skigebieten starten. Auch St. Anton am Arlberg musste den Saisonstart verschieben und hofft nun, dass die Bedingungen bis zum Feiertag passen. Ähnlich sieht es in Vorarlberg aus. Sobald der Schneefall einsetzt, sei man in kurzer Zeit startklar. Auch im Skigebiet Zauberberg-Semmering sollten seit gestern, Freitag, eigentlich die Skilifte in Betrieb sein. Der Start musste aber wegen Schneemangels auf mindestens eine, vermutlich zwei Wochen verschoben werden. Einige wenige Skigebiete haben aber schon geöffnet (siehe Infobox unten).

2 Wann wird die Skisaison endlich allerorts beginnen?

Nun, so bald nicht. Für das Wochenende werden sogar zweistellige Plusgrade erwartet. Ab Montag zieht zwar eine Kaltfront durch Österreich, die auch leichten Schneefall mit sich bringt. Diese dauert aber nur kurz. „Von wirklichem Winterwetter ist weiterhin nichts zu sehen“, sagt Meteorologe Roland Reiter vom Wetterdienst Ubimet. Schon ab Donnerstag wird es wieder föhnig-warm, ehe es Freitag etwas kühler wird. Eine nachhaltige Abkühlung und somit skifahrtaugliche Bedingungen sieht Ubimet für die kommenden zwei Wochen derzeit jedenfalls nicht.

3 Wieso gibt es vielerorts weder echten noch künstlichen Schnee?

Naturschnee liegt derzeit nur auf mehr als 3000 Metern – und auch dort in bescheidenen Mengen. Normalerweise sollte sich bis Anfang Dezember in den Skiregionen schon eine passable Schneeschicht angesammelt haben. Da der heurige November aber extrem trocken und zu warm verlaufen ist (siehe Artikel unten), „gibt es heuer keine Schneereserven, das ist das Hauptproblem“, sagt Meteorologe Reiter. Die zu warmen Temperaturen vor allem im Mittelgebirge sind auch schuld daran, dass die meisten Skigebiete nicht künstlich beschneit werden konnten. Optimal für Kunstschnee sind Minusgrade über mehrere Tage und gleichzeitig geringe Luftfeuchtigkeit. Beides hat es ob der Inversionswetterlage im November eher in tieferen Lagen gegeben. Daher konnten eher kleinere, niedriger gelegene Skigebiete schon in die Saison starten, während die größeren, die zwischen 900 und 1800 Metern liegen, noch nicht auf Kunstschnee zurückgreifen konnten. Von „echtem“ Schnee ganz zu schweigen.

4 Wie schnell könnte man die Pisten künstlich beschneien?

Ist es kalt genug, um die Beschneiungsanlagen anzuwerfen, können die Pisten innerhalb von drei Tagen künstlich beschneit und planiert werden, sodass der Betrieb starten kann, erklärt Martin Eppacher, der Geschäftsführer von Technoalpin. Das Unternehmen beschneit mit seinen Anlagen 186 der 255 österreichischen Skigebiete. Ob eine Beschneiung möglich ist, hängt neben der Temperatur auch von der Luftfeuchtigkeit ab. Unter idealen Bedingungen kann man die Pisten auch schon bei drei Grad plus beschneien.

Die Trockenheit, so Eppbacher, sei derzeit kein Problem für die Beschneiung, die Wasserspeicher in den Bergen seien voll. Mittlerweile können sieben von zehn Pisten in Österreich künstlich beschneit werden. Aber die Kosten sind enorm: Ein heimisches Skigebiet brauche im Schnitt etwa 100.000 bis 800.000 Kubikmeter Kunstschnee, sagt Eppacher. Diesen herzustellen koste ein bis 4,5 Euro pro Kubikmeter.

5 Wie groß ist der wirtschaftliche Schaden für die Skigebiete?

Obwohl auch am zweiten Advent-Wochenende vielerorts keine Winterstimmung aufkommen mag, geben sich Tourismusmanager und Hoteliers noch entspannt. „Das ist noch kein großes Problem“, sagt Hans Schenner, Tourismusobmann in der Wirtschaftskammer. Das große Geschäft gehe schließlich erst Mitte Dezember los. „Wirtschaftlich geht es in den ersten Wochen um nicht viel“, sagt Schenner. Eher moralisch. Und „für die Buchungen ist es fast wichtiger, dass es in London und in Hamburg schneit“, so Schenner. Problematisch sei aber, dass etwa CNN anlässlich der abgesagten Weltcuprennen Bilder von den aperen Alpen in alle Welt sendet. Das sei keine gute Werbung. Insgesamt sei aber die Buchungslage für den kommenden Winter trotz der Trockenheit noch gut, heißt es aus der Wirtschaftskammer.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.12.2011)

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