Waldviertel als Kältepol: Minus 22,6 Grad in Litschau

Metereologen sprechen von einer "ungewöhnlichen" Kälteperiode, sogar in tiefen Lagen hat es weniger als minus 20 Grad. In Wien gab es Verzögerungen im Bahnverkehr.

Ein mit Eis überzogener Holzplatz in Waldzell in Oberösterreich.
Ein mit Eis überzogener Holzplatz in Waldzell in Oberösterreich.
(c) APA/ALOIS LITZLBAUER (Alois Litzlbauer)

Meteorologen gehören für gewöhnlich nicht zu jenen Menschen, die gerne mit Superlativen um sich schmeißen. Darum lässt die Aussage der ZAMG-Wetterexperten, die derzeitige Kälteperiode sei "ungewöhnlich", schon einigermaßen aufhorchen. Vor allem im östlichen Flachland zog sich das Quecksilber in den Thermometern immer mehr zurück, Kältepol des Landes war eindeutig das Waldviertel in Niederösterreich. Die eisige Prognose: Es wird noch kälter.

Für einen Ort, der nur 559 Meter hoch liegt, sind minus 22,6 Grad schon ganz ordentlich. Litschau im nördlichen Waldviertel wurde zwar von Seefeld (minus 22,9) knapp geschlagen, doch das Tiroler Wintersportzentrum liegt immerhin mehr als 600 Meter höher. Weitra mit minus 21,9 Grad und Zwettl mit minus 21,4 Grad untermauern die eisige Vormachtstellung des Waldviertels eindrucksvoll.

Wien: Verzögerungen im Bahnverkehr

Spitzenreiter bei den Landeshauptstädten ist Wien. Auf der 450 Meter hoch gelegenen Jubiläumswarte in Ottakring wurden minus 18,3 Grad gemessen. Im Großraum der Bundeshauptstadt kam es zu Verzögerungen im Bahnverkehr. ÖBB-Sprecher Herbert Ofner zufolge fiel zwischen 5.20 und 6.15 Uhr eine Weiche im Bereich Rennweg bei der Abzweigung zum Flughafen aus. Zusätzlich gab im Bereich des Bahnhofs Floridsdorf kurze Zeit später eine Garnitur den Geist auf. Verzögerungen von bis zu einer Viertelstunde waren die Folge.

Ob diese Probleme tatsächlich eine Folge der Kälte waren, konnte Ofner nicht sagen. "Im Prinzip gibt es für alle Weichen Heizungen, sodass Kälte bedingte Ausfälle nicht geschehen sollten. Aber die Wahrscheinlichkeit ist bei solchen Temperaturen sicher größer als sonst", meinte der Sprecher.

ÖBB prüft Unterbringungsmöglichkeiten

Die ÖBB prüfen wegen der Kälte Unterbringungsmöglichkeiten für Obdachlose. "Aufgrund der extremen Kälte und überfüllter Notschlafstellen für Obdachlose haben die ÖBB eine Sofortinitiative gestartet, um schnelle und unbürokratische Hilfe für Bedürftige zu finden", hieß es am Freitag in einer Stellungnahme, welche die Bundesbahnen auf ihre Facebook-Präsenz stellten. "Die ÖBB prüfen aktuell alle Möglichkeiten, wie sie für die notleidenden Menschen zusätzliche Schlaf- und Aufenthaltsräume zur Verfügung stellen können. Die ÖBB sind seit heute Nacht in enger Abstimmung mit den Sozialhilfeorganisationen."

Der Ankündigung waren zahlreiche Forderungen, unter anderem über Facebook, vorausgegangen, dass die ÖBB auf ihr Hausrecht verzichten und die Bahnhöfe öffnen sollten.

Kältewelle "alle fünf bis zehn Jahre"

Eine derartige lange und heftige Kältewelle ist in Österreich nicht alltäglich. Alexander Orlik, Klimatologe der ZAMG am Freitag: "Insgesamt dürften wir bei dieser Kältewelle selbst in den Landeshauptstädten auf eine Serie von etwa fünf bis sieben Tagen am Stück kommen, an denen die Temperatur unter minus zehn Grad gesunken ist. Das kommt in Österreich im Schnitt alle fünf bis zehn Jahre vor. Ähnliche Kältewellen gab es 2006, 1996 und 1985. Wobei die Kältewelle 1996 am ehesten mit unserer derzeitigen Frostserie vergleichbar ist, weil 2006 die Temperaturen großteils nicht so ganz tief waren."

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NÖ: Straße mit Eiswasser geflutet

In Payerbach in Niederösterreich hat die Kälte am Freitag zu einem außergewöhnlichen Einsatz für die Feuerwehr und den Straßendienst gesorgt: Ein Werks-Kanal der EVN ging in Folge eines Eisstaus über und kaltes Wasser flutete die B27 auf rund zwei Kilometern, berichtete die Feuerwehr. Frostige Temperaturen von minus 17 Grad ließen das Wasser sofort gefrieren und verursachten so eine spiegelglatte Fahrbahn, die Eisdecke war bis zu acht Zentimeter dick. 

Mit einem Schneepflug hat der Straßendienst das Eis dann grob entfernt, seither fahren drei Fahrzeuge der Straßenmeisterei Salz streuend die Strecke auf und ab. Diese Arbeiten dürften den ganzen Tag andauern.

(c) APA

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